Wichtig, dass er im Mittelfeld zurück ist: Kapitän Sebastian Rode.

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Wenn die ordnendeHand fehlt


  • Thomas Kilchenstein

    VonThomas Kilchenstein
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Auch das defensive Mittelfeld bei Eintracht Frankfurt liefert aktuell nicht die Schubkraft, die erforderlich wäre.

Sebastian Rode, dieses nimmermüde Stehaufmännchen aus Alsbach-Hähnlein, ist für vieles bekannt, nur nicht dafür, ein eiskalter Torjäger zu sein. Natürlich kommt es vor, dass auch der mittlerweile 31-Jährige ins Schwarze trifft, zuweilen sogar eminent wichtig, etwa in der grandiosen Europapokalsaison vor zweieinhalb Jahren, als er das erlösende und halbfinalbringende 2:0 gegen Benfica Lissabon markierte. Aber das Toreschießen an sich ist nicht seine Kernkompetenz, die liegt eher im Zweikampf, im Bälle aufsaugen, neuerdings auch im Organisieren und grundsätzlich darin: nach schweren Verletzungen quietschfidel zurückzukommen.

Insofern war nur verständlich, wie glücklich der Seppl gerufene defensive Mittelfeldspieler war, nachdem er am vergangenen Sonntag in Fürth das 1:0 erzielen konnte, sehr überlegt, sehr abgeklärt mit der Innenseite. Es war sein erster Treffer mal wieder nach mehr als einem Jahr. Dieser Treffer brachte Eintracht Frankfurt auf die Siegerstraßen, darüber hinaus war er in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Sparsam an Toren

Zum einen war er aus einer Position markiert, in die defensive Frankfurter Mittelfeldspieler kaum kommen: von der Strafraumgrenze aus. Der gegnerische Sechzehner ist für Frankfurter Abräumer fast schon so etwas wie terra incognita, unbekanntes Terrain. Weder Djibril Sow noch Kristijan Jakic noch Makoto Hasebe, die in erster Linie auf der Sechs oder Acht spielen, lieben es, einen Fuß in den Strafraum der anderen zu setzen: Das defensive Mittelfeld der Frankfurter ist extrem torungefährlich. Das ist aber nicht neu: Schon in der vergangenen Saison ging wenig Gefahr von jenen aus, die vornehmlich die Angriffe des Widerparts unterbinden sollen, möglichst weit weg vom eigenen Gehäuse.

Und trotzdem ist es nicht verboten, Eigeninitiative zu ergreifen, nach vorne zu gehen und eben den Torabschluss zu suchen. Auch dies ist ein Grund, warum Eintracht Frankfurt bislang recht sparsam mit eigenen Toren umgegangen ist, zwölf Treffer, darunter ein Eigentor und ein Elfmeter, sind nicht die Welt. Auch Rodes Treffer vom vergangenen Sonntag war in dieser Runde erst der erste eines defensiven Mittelfeldspielers. Die Tore verteilen sich ohnehin nur auf Filip Kostic (2), Rafael Borré (2), Jens Petter Hauge (2), Martin Hinteregger, Sam Lammers, Goncalo Paciencia und Tuta.

Der Sechser zählt im Fußball mittlerweile zu einer der wichtigsten und anspruchsvollsten Positionen. Er stellt das Gleichgewicht im Mittelfeld her, ordnet, sorgt für die Balance zwischen Verteidigung und Angriff. Der Defensive im Mittelfeld agiert im Zentrum vor der Abwehr, er ist das Bindeglied und damit im Grunde das Pendel. Er ist Motor und Herzschlag jeder Mannschaft. Und mittlerweile reicht es nicht, nur Bälle zurückzugewinnen, er muss mit dem gewonnene Ball auch etwas anfangen können. Er ist derjenige, der im Idealfall den nächsten Angriff, oft durch eine Kontersituation, einleitet. Der Sechser muss über vielseitige Kompetenz verfügen, defensiv stark und in der Lage sein, das Spiel mit guten, scharfen Pässen schnell anzukurbeln. Auch daran krankt in dieser Saison das Spiel der Eintracht.

Konstanz fehlt

Djibril Sow und Kristijan Jakic etwa sind nicht diese Spielertypen, die dies könnte. Sow, enorm fleißig und viele, viele Kilometer laufend unterwegs, wählt, zuletzt verstärkt, lieber den sicheren Pass quer oder nach hinten, Jakic sichert sich dank seiner physischen Präsenz und Aggressivität zwar Bälle, hat dann aber Mühe mit dem Spielaufbau. Allerdings braucht der Kroate noch eine gewisse Zeit, sich an die Bundesliga zu gewöhnen, dass er seinen Ball schneller abspielen muss, weiß er mittlerweile. Ihm fehlt es auch noch am Überblick, aber der 24-Jährige hat die Anlagen dazu.

Von beiden defensiven Spielern kommt aber generell viel zu wenig Überraschendes, Inspirierendes, sie erledigen brav ihre Arbeit. So bleibt der kreative Part bei der Eintracht momentan allein an Daichi Kamada hängen, auch dem Japaner geht in diesem Jahr die erforderliche Konstanz noch ab. Dadurch werden die Frankfurter ausrechenbarer.

Als Sebastian Rode am Sonntag zu seinem zweiten Bundesligaeinsatz kam, war merklich Struktur ins Spiel gekommen, er ordnete, dirigierte. Auch das muss ein Sechser leisten, den Mitspielern einen Halt geben. War es Zufall, dass es Sebastian Rode war, der vor dem erlösenden 2:1 den Pass auf Flankengeber Kostic geschlagen hatte? Sicher nicht.

Aber Rode allein wird es nicht stemmen können, zumal bei seiner Vorgeschichte sicherlich besonderen Wert darauf gelegt werden muss, die Belastung für Knie, Muskulatur und Gelenke nicht zu groß werden zu lassen. Trainer Oliver Glasner setzt ihn deswegen auch dosiert ein, gibt ihm immer wieder Spielpausen, baut ihn langsam auf, im Training kann der 31-Jährige bisweilen kürzertreten.

Auf Sicht wird Eintracht Frankfurt im defensiven Mittelfeld personell etwas tun müssen. An dieser Stellschraube ist zu drehen. Es braucht da einen, der dem Spiel seinen eigenen Stempel aufdrücken kann, der es prägt. Und durch diesen zentralen Spieler, der lenkt und denkt und spielstark ist, verändert sich die gesamte Statik des Spiels, es wird besser. Mut freilich gehört zudem dazu.

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