Ein großer Teil der Wälder in Deutschland ist bereits geschädigt - und es könnte noch viel schlimmer kommen, warnt der Weltklimarat.

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Weltklimabericht: Dieses Jahrzehnt ist entscheidend

  • VonChristian Mihatsch
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Der Weltklimarat macht in seinem neuen Bericht deutlich: Damit das 1,5-Grad-Ziel erreichbar bleibt, müssen die Emissionen sinken. Aber nicht nur.

Seitdem vor 30 Jahren der erste Bericht des Weltklimarats IPCC erschienen ist, ist klar, dass die Menschheit das Klima aufheizt und die Treibhausgasemissionen auf null sinken müssen. Doch diese sind weiter gestiegen, und nun müssen sie umso schneller fallen: um die Hälfte in zehn Jahren.

Am Montag wurde in Genf der erste Teil eines neuen Berichts des Weltklimarats IPCC veröffentlicht. Dieser besteht wie immer aus zwei Teilen: dem eigentlichen Bericht und der Zusammenfassung für Entscheidungsträger:innen. Die Zusammenfassung wurde in den vergangenen beiden Wochen von Klimadiplomat:innen ausgehandelt. Damit stellt der IPCC-Bericht den offiziellen Kenntnisstand der Regierungen der Welt zur Entwicklung der Klimakrise dar. Für den eigentlichen Bericht haben Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt insgesamt 14 000 Studien ausgewertet.

Der Rat

Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wurde 1988 von der UN-Umweltorganisation (Unep) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet. Seine Aufgabe ist es, die Politik neutral über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimaveränderung und über mögliche Gegenmaßnahmen zu informieren. Dem IPCC gehören 195 Staaten an. Sie entsenden Fachleute, die eigenständig Berichte erstellen. Seine deutsche Bezeichnung ist Weltklimarat.

Der Weltklimarat betreibt keine eigene Forschung, sondern wertet Tausende Studien aus und fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen.

Alle fünf bis sechs Jahre veröffentlicht der Rat umfassende Überblicke über den aktuellen Stand der Klimaforschung, die in der Regel etwa 1500 Seiten umfassen. Zuletzt wurde 2014 ein solcher Report vorgelegt.

Zu jedem Bericht fertigt der IPCC eine Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger:innen an. Diese wird jeweils in mehreren Runden redigiert. Den abschließenden Entwurf verabschiedet dann das IPCC-Plenum im Konsens. afp

„Es ist zweifelsfrei, dass der menschliche Einfluss die Atmosphäre, den Ozean und das Land aufgeheizt hat“, heißt es in dem Bericht. „Menschlicher Einfluss hat das Klima so aufgeheizt, wie es seit mindestens 2000 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. (…) 2019 war die CO2-Konzentration in der Atmosphäre höher als zu jedem anderen Zeitpunkt seit mindestens zwei Millionen Jahren.“ Die Co-Vorsitzende Valérie Masson-Delmotte sagt: „Wir haben jetzt ein viel klareres Bild des vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Klimas, was wichtig ist, um zu verstehen, wohin wir uns bewegen, was wir tun können und wie wir uns vorbereiten können.“

Weltklimabericht: Seit Jahren ist klar, dass es wärmer wird

Große Überraschungen enthält der Bericht nicht. Seit Jahren ist klar, dass es umso wärmer wird, je mehr Treibhausgase sich in der Atmosphäre ansammeln. Seit der vorindustriellen Zeit ist die Temperatur auf der Erde um 1,1 Grad gestiegen – mehr über Land und weniger über den Ozeanen. Dieser Trend wird sich fortsetzen: Rund um das Jahr 2030 wird die Erde 1,5 Grad wärmer sein. Wie es anschließend weitergeht, ist offen. „Es geht vor allem um Entscheidungen“, sagt Richard Black vom britischen Thinktank Energy and Climate Intelligence Unit. „Die Welt wird in einer emissionsarmen Zukunft ganz anders aussehen als in einer emissionsreichen. Es steht viel auf dem Spiel: Die Entscheidungen der kommenden Monate werden einen großen Einfluss haben.“

Szenarien zum globalen Temperaturanstieg

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Szenarien zum globalen Temperaturanstieg

Wie entscheidend die kommenden Wochen, Monate und ein, zwei Jahre sein werden, zeigt ein Blick auf die verschiedenen Emissionsszenarien im IPCC-Bericht. Im einzigen Szenario, in dem die Erwärmung am Ende des Jahrhunderts unter 1,5 Grad liegt, fallen die globalen Netto-Emissionen in den kommenden zehn Jahren um knapp die Hälfte und erreichen im Jahr 2050 null. Anschließend werden der Atmosphäre Jahr für Jahr rund zehn Milliarden Tonnen CO2 entzogen.

Weltklimabericht beleuchtet verschiedene Szenarien

Im nächstbesten Szenario sinken die Emissionen langsamer. Daher akkumulieren sich mehr Treibhausgase, das Klima erwärmt sich um 1,8 Grad bis zum Jahr 2100. Wenn die Emissionen hingegen bis 2050 in etwa auf dem heutigen Niveau bleiben und erst dann zurückgehen, ist es in 80 Jahren 2,7 Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit.

Mit jedem Zehntelgrad nimmt die Zahl an Extremwetterereignissen zu: Extremtemperaturen, die in der vorindustriellen Zeit alle 50 Jahre aufgetreten sind, sind heute alle zehn Jahre zu beobachten. Und wenn sich das Klima um 1,5 Grad erwärmt hat, dann wird es alle sechs Jahre dazu kommen. Starkregen und Dürren werden mit jedem Zehntelgrad häufiger. Auch die Höhe des Meeresspiegels ist letztlich eine Folge der Erwärmung. Im „besten“ Fall liegt dieser im Jahr 2100 rund 40 Zentimeter über dem heutigen Niveau. Wenn die Emissionen allerdings nicht ab sofort schnell sinken, ist der Meeresspiegel dann 60 Zentimeter höher als heute.

Folgen der Erderwärmung

In Afrika erhöht sich die Temperatur laut Weltklimarat an der Erdoberfläche stärker als im globalen Durchschnitt. Während Hitzewellen zunehmen, werden Kälteperioden weniger. Der Meeresspiegel steigt schneller als in anderen Weltregionen, was zunehmend zu Überschwemmungen und Erosionen sandiger Küstenabschnitte führt. Flüsse treten häufiger über die Ufer, und die Gefahr von Feuern im Norden und im Südwesten wächst. An der östlichen Küste drohen heftigere tropische Wirbelstürme, auch Starkregen-Ereignisse nehmen zu.

In Süd- und Zentralamerika drohen vielerorts längere Trockenperioden und Dürren mit starken Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft, die Gesundheit der Bevölkerung sowie die Ökosysteme. Im Amazonas-Gebiet steigt die Zahl der heißen Tage, an denen mehr als 35 Grad Celsius gemessen werden, pro Jahr um mindestens bis zu 60 Tage an, wenn effektiv Klimaschutz betrieben wird. Im Extremfall kann die Zahl dieser Tage aber auch um 150 Tage bis Ende des 21. Jahrhunderts ansteigen. In Nordamerika werden vor allem die Winter-Temperaturen überdurchschnittlich steigen. Dürren und Waldbrände dürften häufiger werden.

In Nordasien wird der Permafrostboden immer weiter auftauen. Im Hochland von Tibet und dem Himalaya-Gebirge wird es insgesamt feuchter und zunehmend Starkregen fallen. Am Hindukusch verschiebt sich die Schneegrenze weiter nach oben, und die Gletscherschmelze dauert an. In den Gebirgen insgesamt steigt das Risiko von Gletscherfluten. Am Mekong-Delta in Vietnam kommt es zu längeren Überschwemmungsperioden, und in Ostasien häufen sich heftige Regenfälle.

In Europa werden in weiten Teilen des Kontinents Überschwemmungen nach Regenfällen mit zunehmender Erderwärmung häufiger – vor allem ab dem Erreichen der Zwei-Grad-Celsius-Marke. In der Mittelmeerregion wiederum steigt die Brandgefahr wegen längerer Trockenperioden. Die Gletscher in den Alpen werden sich weiter zurückziehen.

Dass der Meeresspiegel immer weiter ansteigen wird, ist so gut wie sicher – und zwar über mehrere Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende. Die Gründe sind die Ausdehnung des Wassers durch die Erwärmung sowie das Abschmelzen der großen Eisschilde. In den Polarregionen wird das Eis weiter schmelzen, selbst wenn es gelingt, die Erderwärmung zu begrenzen. Gerade die Arktis erwärmte sich in den letzten 50 Jahren im Durchschnitt mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr als zweimal so stark wie der Rest der Welt. Das Nordpolarmeer wird noch vor dem Jahr 2050 mindestens einmal praktisch eisfrei sein. epd

Hinzu kommt die Gefahr, einen Kipppunkt zu erreichen: „Abrupte Reaktionen und Kipppunkte des Klimasystems, wie etwa stark erhöhtes Abschmelzen des antarktischen Eisschildes und das Absterben von Wäldern, können nicht ausgeschlossen werden“, heißt es im IPCC-Bericht. Und auch hier geht es wieder um jedes Zehntelgrad: „Die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen mit geringer Wahrscheinlichkeit, aber sehr großen Auswirkungen steigt mit zunehmender Erderwärmung.“

Weltklimabericht: „Dieses Jahrzehnt ist unsere letzte Chance“

„Der Bericht zeigt, dass dieses Jahrzehnt wirklich unsere letzte Chance ist, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“ sagt Helen Mountford von der Umweltorganisation WIR. Und dabei komme es auf alle an: „Schauen Sie sich die führenden Politiker der Welt an, die heute im Amt sind. Unser gemeinsames Schicksal wird von ihren Entscheidungen abhängen. Dies ist ein Moment, in dem jeder Einzelne aufbegehren und mutige Klimamaßnahmen fordern muss, als ob unsere Zukunft davon abhinge, denn das tut sie wirklich.“

Mehr als 230 Forschende aus 66 Ländern haben den Bericht verfasst. Die Zusammenfassung wurde von den 195 IPCC-Mitgliedsländern einstimmig abgesegnet. „Die Regierungen sitzen also mit im Boot, keiner kann hinterher sagen: Ich habe damit nichts zu tun“, sagt Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. mit dpa

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