Weltärzte-Chef Frank Ulrich Montgomery.

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Weltärztebund wegen Corona alarmiert: „Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor“

  • VonKim Hornickel
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Patient:innen müssen verlegt werden, die Infektionszahlen brechen Rekorde, in den Schulen verschärft sich die Situation. Jetzt soll die Bundeswehr helfen.

Berlin – In den Krankenhäusern spitzt sich die Lage aufgrund der stark steigenden Zahl von Corona-Infizierten dramatisch zu. Deshalb schlug der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, jetzt Alarm: „Wir alle bereiten uns auf eine Triage vor“, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Ärzt:innen versuchten alles, um diese letzte entsetzliche Entscheidung abzuwenden. „Aber angesichts der steigenden Infektionszahlen müssen sich die Kliniken vorbereiten“, sagte Montgomery. Triage bedeutet, dass Mediziner:innen aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen.

Auch am Freitag (26.11.2021) registrierte das Robert Koch-Institut mit 76.414 einen Höchststand an Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit 438,2 an – ebenfalls ein Höchstwert. Am Donnerstag war die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, auf mehr als 100.000 gestiegen.

Um Triage zu vermeiden: Bundeswehr bereitet sich auf Verlegung von Corona-Intensivpatienten vor

Um die Kliniken zu entlasten, bereitet die Bundeswehr Flüge zur Verlegung von Intensivpatient:innen vor. Die Luftwaffe hält zwei Flugzeuge für den Hilfseinsatz bereit. Im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems sollen Covid-19-Patienten bundesweit verteilt werden können, wenn in einzelnen Regionen der Kollaps von Krankenhäusern droht. Vereinzelt wurden schon am Donnerstag (25.11.2021) Patient:innen in andere Bundesländer gebracht, zum Beispiel aus Thüringen nach Niedersachsen. 

Montgomery geht das nicht weit genug. Er fordert die Verlegung von Kranken ins europäische Ausland: „Die systematische Verlegung von Covid-Patienten ins Ausland muss jetzt eingeleitet werden. Dabei muss auch die Bundeswehr helfen.“

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, beklagte die Auswirkungen von abgesagten Operationen. Die Folgen für die Patienten jenseits der Pandemie seien ebenso dramatisch wie tragisch. 75 Prozent aller Krankenhausstandorte mit Intensivstationen meldeten heute einen nur noch eingeschränkten Betrieb. „Konkret heißt das, dass wir wie im Januar 2021 erneut fast jeden dritten Patienten im Regelsystem nicht versorgen können“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die Rheinische Post.

Belastung der Kliniken: Operationen müssen wegen der vielen Corona-Infizierten verschoben werden

„Wir werden rund 20 Prozent weniger Darmkrebs-Operationen durchführen und etwa sieben Prozent weniger Operationen bei Frauen mit Brustkrebs“, schrieb Gaß. Die Situation, auf eine Warteliste gesetzt zu werden, sei für jeden einzelnen Krebspatient:innen psychisch und körperlich schwer zu ertragen.

Bei den Bürger:innen stoßen die aktuellen Regelungen zur Corona-Bekämpfung auf ein geteiltes Echo. Laut dem „Deutschlandtrend“ für das ARD-Morgenmagazin halten 53 Prozent der Bevölkerung das neue Infektionsschutzgesetz ohne die Möglichkeit von Lockdowns, Schulschließungen oder Ausgangssperren für richtig. 40 Prozent finden es der Umfrage zufolge falsch.

Gerade der Aspekt der Schulschließungen könnte noch wichtig werden. Dem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts vom Donnerstagabend (25.11.2021) zufolge kommt es in Schulen wieder deutlich häufiger zu Corona-Ausbrüchen. „Nach einem kurzzeitigen Rückgang während der Herbstferien wird jetzt ein sehr rascher Anstieg beobachtet.“ Demnach seien zuletzt innerhalb von vier Wochen 1265 Ausbrüche gemeldet worden, hieß es. Die letzten zwei Wochen seien aber noch nicht bewertbar. Jüngere Schüler:innen treffe es im Schnitt öfter als ältere.

Virusvarianten grassieren: Die vierte Corona-Welle ist auch in den Schulen angekommen

Aktuell liege die Zahl der Corona-Ausbrüche in Schulen „sehr deutlich“ über dem Höchstniveau der zweiten Welle. Anfang November seien etwa dreimal mehr Ausbrüche pro Woche übermittelt worden als im Vorjahr zu dieser Zeit. „Bei der zugenommenen Ausbruchshäufigkeit spielen vermutlich die leichtere Übertragbarkeit der Delta-Variante und auch die ausgeweiteten Testaktivitäten eine Rolle, wobei Infektionen, auch asymptomatische, frühzeitig erkannt werden.“

In der vierten Corona-Welle sind laut RKI besonders viele positive Corona-Fälle bei Kindern und Jugendliche nachzuweisen. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Woche bis vergangenen Sonntag lag bei den 5- bis 9-Jährigen (829) und bei den 10- bis 14-Jährigen (921) mehr als doppelt so hoch wie im Bevölkerungsschnitt (414). Dabei muss allerdings beachtet werden, dass Schüler:innen aufgrund der Testpflicht generell besonders häufig auf Corona getestet werden. (dpa/kh)

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