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University of Labour: Wissenschaft für Betriebsrat und Gewerkschaft

Die Hochschule „University of Labour“ in Frankfurt startet im Oktober in ihr erstes Semester. Sie will Studierende fit machen für Aufgaben in Betriebsrat und Gewerkschaft.

Es gibt eine neue Hochschule in der Stadt. Am 1. Oktober startet die University of Labour in ihr erstes Semester. 30 Menschen zwischen 30 und 50 Jahren nehmen das Studium auf, im House of Labour an der Eschersheimer Landstraße 155. Zwei Bachelor-Studiengänge stehen zur Auswahl. „Business Administration“ und „Berufspädagogik“. Das besondere daran: „Die Arbeitsbeziehung stehen im Mittelpunkt, die Bedeutung der Mitbestimmung“, sagt Martin Allespach, der Präsident der neuen Hochschule.

Das Angebot richtet sich an Menschen, die im Betriebsrat tätig sind, in der Gewerkschaft, im Personalmanagement. Die benötigten inzwischen Kompetenzen, die „auf wissenschaftlichen Niveau sind“, sagt Allespach. Die Arbeit in Betriebs- und Aufsichtsrat werde immer stärker geprägt von Transformation und Digitalisierung, sagt auch Rainer Gröbel, der neue Uni-Kanzler. Man müsse sich mit Investmentfonds auskennen, mit Industriesoziologie, mit Recht, mit Ökonomie.

Ganz neu ist die Erkenntnis nicht. Die Europäische Akademie der Arbeit, ebenfalls im House of Labour angesiedelt, feiert dieser Tage ihr Hundertjähriges. Seit 2015 ist auch die Academy of Labour im Gebäude ansässig. „Ganz schön viele …of Labours“, scherzt Allespach. Sie alle stellen allerdings eine Einheit dar, erklärt er weiter. „Das House of Labour ist physisch, da sitzen wir drin.“

Das Haus ist aber auch ideell gesehen, das Dach, das die drei Säulen überspannt. An der Academy besuchen die Nachwuchskräfte von Gewerkschaften und Betriebsräten Tagungen, Seminare, Weiterbildungsmodule. An der Europäischen Akademie studieren sie im elfmonatigen Vollzeitlehrgang. Die neue University schreibt die Tradition „zeitgemäß“ fort.

Der Studiengang ist „berufsintegrativ“. „Die Menschen kommen mit einem Projekt hierher“, sagt Allespach, aus dem eigenen Arbeitalltag. Das werde wissenschaftlich reflektiert und wieder zurückgespielt. Die Studierenden kommen einmal Monat für ein Wochenende oder von Donnerstag bis Samstag ins House of Labour. Das ist natürlich eine zusätzliche Belastung. Dafür aber auch die Möglichkeit, ein Studium mit staatlich anerkanntem Abschluss absolvieren zu können, ohne die eigene Berufstätigkeit unterbrechen zu müssen.

Die Erkenntnisse aus den bisherigen Forschungen der Akademie sind: „Mitbestimmung ist zentral für unser Wirtschaftssystem in Deutschland“, sagt Allespach. Unter anderem die Zusammenarbeit von Ingenieuren und Facharbeitern. „Was entwickelt und konstruiert wird muss ja in der Produktion funktionieren und dann muss es Rückmeldung geben“, sagt Gröbel. In diesem Sinne hätten sich Gewerkschaften auch nie gegen Transformation gestellt. Im Gegenteil. „Unternehmen müssen digitalisieren, müssen sich weiter entwickeln, nur dann haben sie eine Überlebenschance.“

Transformation dürfe aber nicht zulasten der Arbeitnehmer gehen. Sie müsse sozialverträglich sein, die Mitarbeitenden sollten auch dabei mitwirken. „Nicht Menschen müssen sich anpassen an veränderte Technik, Organisation, Märkte.“ Statt dessen muss es einen Aushandlungsprozess geben zwischen den Qualifizierungsinteressen der Betriebe und den Bildungsinteressen der Beschäftigten.

Doch so fundamental die Mitbestimmung der Arbeitnehmenden in ihren Betrieben ist, so unterrepräsentiert ist sie in der Wirtschaftswissenschaft, oder auch in der Juristerei, haben Allespach und Gröbel beobachtet. „Wir schließen eine Lücke“, sagt Allespach. „Wir sind mit der University of Labour die erste Hochschule der Gewerkschaft in Europa.“

Die staatliche Anerkennung hat die Hochschule im April 2021 erhalten. Gesellschafter sind zu 90 Prozent die IG Metall und zu zehn Prozent der DGB. Die weitere Finanzierung erfolgt über Studiengebühren. 18 900 Euro für sieben Semester, also 450 Euro im Monat. Zumindest einen Teil davon sollen die Unternehmen aufbringen, in denen die Studierenden arbeiten.

Das Lehrpersonal steht bereit. Ein Wirtschaftswissenschaftler, ein Jurist und eine Bildungspädagogin. 2022 kommen drei Stellen dazu, bis 2025 sollen es zehn Professorinnen und Professoren sein. Ein arbeitsrechtlicher Studiengang und ein MBA in nachhaltigem Management sind ebenfalls geplant. Platz gebe es genügend unter dem Dach „House of Labour“. „Das Gebäude ist so konzipiert, dass wir auch Möglichkeiten haben, uns auszubreiten“, sagt Allespach.

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