Vater und Tochter nutzen den Wochenendeinkauf und suchen zusammen einen Weihnachtsbaum aus.

Szenen eines Baumkaufs, Details wollten wir unter der Überschrift Szenen eines Baumkaufs für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mitteilen. Details zu unseren News mit dem Titel Szenen eines Baumkaufs finden Sie in unserem Artikel..

Szenen eines Baumkaufs


  • Stefan Behr

    VonStefan Behr
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Christbaumverkäufer beleben die Stadt mit schönem Totholz und interessanter Unterhaltung. Auch als Seelentröster verstehen sie sich mitunter.

Der Weihnachtsbaum war seiner Zeit schon immer voraus. Bereits in vorpandemischen Zeiten hielt er sich alle Jahre wieder streng an die 4G-Regel: geschlagen, gekauft, geschmückt, genadelt.

Am Sonntagnachmittag betreten Vater und Sohn, vermutlich vor lauter Bäumen in der Fehlannahme, sie seien im Wald, unmaskiert das Weihnachtsbaumverkaufsgelände am Bornheimer Fünffingerplatz. „Würden sie bitte die Maske anziehen?“, fragt die freundliche Verkäuferin, die unter einem großen Schild steht, das die Maskenpflicht verkündet. „Müssen wir das?“, fragt der Vater. „Leider ja“, sagt die Verkäuferin. „Ich habe keine dabei“, bedauert der Vater, dem anscheinend keiner was gesagt hat. „Hast du welche dabei?“, fragt er den Sohn. „Ich hab’s dir doch gesagt!“, seufzt der Sohn, rollt mit den Augen und zieht zwei Masken aus der Hosentasche, um der Geschichte ein Ende zu setzen.

Derweil ist ein älteres Ehepaar auf Baumschau. „Der ist doch schön“, lobt der Mann eine junge Nordmanntanne. „Nein!“, sagt die Frau. „Ach, mach doch was du willst!“, gewährt der Mann ihr das Weihnachtsbaum-Wahlrecht. „Ich will einen Baum, der nicht nadelt“, sagt die Frau zum Weihnachtsbaumverkäufer, der nicht nur aussieht wie Knecht Ruprecht, sondern auch dessen Würde und Weisheit ausstrahlt. „Früher oder später nadeln sie alle“, lässt er die Frau an seiner Lebenserfahrung teilhaben, die sich daraufhin lieber an die Verkäuferin wendet. „Den da muss ich ausgepackt sehen“, deutet die Frau auf eine junge Nordmanntanne im Netzkostüm.

Die Relevanz der Größe

Während der Baum von den Frauen ausgewickelt wird, haben sich Verkäufer Ruprecht und der Ehemann an den Stand mit den Christbaumständern zurückgezogen und diskutieren dorten über eine uralte Männerfrage. „Sind das die größten Ständer, die es gibt?“, fragt der Mann. Auf die Größe komme es nicht an, sagt Ruprecht. Zum einen sei es eher eine Frage der Technik, zum anderen hätten alle dieselbe Größe. Dafür gebe es sie in zwei modischen Trendfarben: Tannennadelgrün und Baumstammbraun. Welche es denn sein dürfe, fragt Ruprecht. „Da muss ich erst mal die Chefin fragen“, sagt der Mann. „Ich kann das nicht entscheiden. Immer, wenn ich etwas entscheide, ist das falsch. Jedes mal dasselbe Theater.“ Ruprecht aber versteht sich selbst nicht nur als Baumverkäufer, sondern auch als Seelentröster, und kreiert spontan eine Kalenderweisheit voll schlichter Schönheit. „Wo der Mann etwas sagt, da hängt der Haussegen schief!“, spricht er mit so gravitätischem Ernst, als sei er Paulus, der den Korinthern erklärt, wo Barthel den Most herholt.

Wer jetzt noch keinen Baum hat, der kaufe also einen. Alleine der Einkauf ist schon ein reines Adventsvergnügen.

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