Der sudanesische Armeechef Al-Burhan in Khartoum am 26. Oktober. Foto: ASHRAF SHAZLY / AFP.

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Sudan: Putschist sucht Ausweg


  • Johannes Dieterich

    VonJohannes Dieterich
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Der sudanesische Armeechef Al-Burhan steht unter massivem Druck: Von allen Seiten wird er aufgefordert, seine Machtergreifung rückgängig zu machen – doch das ist für den Putschist keine Option.

Sudans Putschistenführer Abdel Fattah al-Burhan mag den Machtkampf gegen die Zivilregierung mit militärischer Gewalt gewonnen haben: Doch wie er seine Herrschaft zementieren und sein Land aus der drohenden Isolation führen will, ist ungewiss. Zwei Tage nach seinem Staatsstreich halten die Proteste in der Hauptstadt Khartum unvermindert an.

Sowohl die UN wie die Afrikanische Union und westliche Regierungen forderten den 61-jährigen Al-Burhan auf, seine Machtergreifung wieder rückgängig zu machen. Washington fror sogar ein Hilfspaket über 700 Millionen US-Dollar ein, das dem wirtschaftlich leidenden Land zugesagt worden war.

Sudan: Putschist mit islamistischer Unterstützung

Vor der Presse suchte der Streitkräftechef seinen Putsch vom Montag mit der Gefahr eines Bürgerkriegs zu rechtfertigen, gleichzeitig versicherte er, an den für 2023 geplanten Wahlen festzuhalten. Abdalla Hamdock, den Chef der Zivilregierung, den der General in seiner eigenen Residenz festgehalten hatte, ließ er inzwischen in dessen Villa zurückbringen: Dort steht er nun unter Hausarrest.

„Es stimmt, wir haben auch einige Minister und Politiker verhaftet“, räumte Al-Burhan ein, „aber nicht alle.“ Dass der Putschist sanftere Töne anschlage, liege vor allem daran, dass er auf ein „ziviles Gesicht“ für eine künftige Regierung angewiesen sei, meint der Sudankenner des kenianischen Rift Valley Instituts, Magdi el-Gizouli: Denn im Gegensatz zu seinen zahlreichen Vorgängern in der von Coups gespickten Landesgeschichte kann sich Al-Burhan weder auf eine politische Partei noch auf eine islamistische Organisation stützen.

Sudan: Groll unter Offizieren

Nicht einmal innerhalb der Streitkräfte ist er sich ungeteilter Unterstützung sicher. Westliche Diplomaten verweisen auf die Unzufriedenheit jüngerer Offiziere, die nicht schon wieder gegen das eigene Volk in Stellung gebracht werden wollen. In General Mohamed Hamdan Dagalo, dem Kommandeur der berüchtigten paramilitärischen „Rapid Support Forces“, weiß er auch einen ehrgeizigen Konkurrenten. Dagalos ehemalige Reiterarmee, die „Janjaweed“, waren am Bürgerkrieg in Darfur beteiligt: Dort wurden rund 300 000 Menschen getötet und 2,7 Millionen aus ihrer Heimat vertrieben.

Sudanische Proteste gegen den Putsch in Khartoum. Foto: AFP.

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Sudanische Proteste gegen den Putsch in Khartoum.

Dem Druck aus dem In- und Ausland nachzugeben und die Entmachtung der Zivilregierung rückgängig zu machen, ist jedoch auch keine Option für Al-Burhan. In diesem Fall würde er sein Amt als Streitkräftechef verlieren und hätte zu befürchten, gemeinsam mit Dagalo wegen eines Blutbads unter Demonstranten im Juni 2019 und seiner Beteiligung am Bürgerkrieg in Darfur entweder vor ein Gericht in Khartum oder gar vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt zu werden. Hält Al-Burhan an der Macht fest, drohen allerdings auch die Konflikte in Darfur und im Süden des Sudans wieder aufzuflammen.

Al-Burhans einzige Freunde sitzen in Kairo, in Dubai und Riad: Auf deren Hilfe ist er angewiesen. Die Ölscheichs hatten Sudans Militärregierung schon einmal ausgelöst: Als sie ihr nach der Entmachtung Al-Baschirs fünf Milliarden Dollar zukommen ließen.

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