Sie streiten gerne: Nicole Deitelhoff und Michel Friedman.

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Streit-Club im English Theatre: Spaß an der Kontroverse


  • George Grodensky

    VonGeorge Grodensky
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Eine neue Veranstaltungsreihe im Englisch Theatre Frankfurt soll positive Debattenkultur fördern. Sie will zeigen, dass Kontroverse Spaß machen kann.

Streit ist ein unbeliebtes Wort. Viele Menschen assoziieren damit Wut und Enttäuschung, vielleicht auch Missgunst oder Geschrei. Nicole Deitelhoff und Michel Friedmann sehen das anders. „Wir brauchen den Streit, um uns als Gesellschaft weiterzuentwickeln und als Demokratie zu erneuern.“ So formulieren sie es in ihrer Präsentation der neuen Veranstaltungsreihe „Streit-Club“, zu der das Forschungsinstitut gesellschaftlicher Zusammenhalt ins English Theatre Frankfurt einlädt.

Da sind gleich noch ein paar Assoziativworte enthalten. Forschungsinstitut, das klingt akademisch. Der „Streit-Club“ solle es aber nicht sein, versichert Gastgeber Friedmann. Keine Talkshow, auch kein wissenschaftlicher Disput. „Wir versuchen, der Debatte Zeit und Raum zu geben.“ Deitelhoff sagt, „wir wollen zeigen, dass Kontroverse Spaß machen kann“. Das Publikum soll der Auseinandersetzung mit Freude folgen, mit allen Sinnen, das Knistern in der Luft auch spüren können. Darum natürlich der ungewöhnlich Austragungsort für eine Debatte: das Theater.

Was? Ungewöhnlich? Das weist Intendant Daniel Nicolai zurück. „Theater, wenn es nicht langweilig ist, beschäftigt sich immer mit Konflikten.“ Entsprechend beginnen die Gastgebenden noch bei der Präsentation ihrer Reihe in der Bar des Hauses – einen Streit. Oder wegen der Präsentation? Immerhin ist eine Pressekonferenz auch eine Art Bühne.

Deitelhoff, die resolute Politikwissenschaftlerin, Sprecherin des eingangs erwähnten Forschungsinstituts und Leiterin der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, findet es wichtig, bei einem Streit zu gewinnen. Das Gegenüber von den eigenen, natürlich besseren, Argumenten zu überzeugen.

Der Club

Der Streit-Club debattiert am Montag, 4. Oktober, 19.30 Uhr, im English Theatre Frankfurt, Gallusanlage 7. Nicole Deitelhoff und Michel Friedmann haben sich den Kabarettisten Florian Schröder und den Staranwalt Christian Schertz eingeladen. Thema: Wie weit geht die Meinungsfreiheit?

Tickets zu zwölf Euro gibt’s unter Telefon 069 / 24 23 16 20 oder im Netz: www.english-theatre.de

Nächster Termin ist am 6. Dezember, ungefähr alle zwei Monate soll es ein neues Streitgespräch geben. sky

Michel Friedmann, der offensive Moderator, Publizist und Direktor des Center for Applied European Studies hege eher einen philosophischen Ansatz, sagt er zumindest. Man müsse lernen, dass man sich auch irren könne. Es sei zuweilen schön, wenn eine kluge Person das eigene Wissen mit neuen Erkenntnissen erweitere. Im Austausch entstehe dabei womöglich eine neue gemeinsame Position.

Für die erste Show hat sich das streitbare Duo ebensolche Gäste eingeladen. Wo die Grenzen des Sagbaren sind, damit hat der Medienrechtler Christian Schertz ständig zu tun. Vor zwei Jahren hat er etwa die Grünen-Politikerin Renate Künast vertreten, der das Berliner Landgericht auferlegt hatte, schlimmste Schmähungen aus dem Internet weglächeln zu sollen.

Schertz trifft auf Florian Schroeder, der als Kabarettist mit seinen Worten ja beruflich anecken möchte – inklusive der drolligen Verwechslung, als die sogenannten „Querdenker“ Schröders Satire gegen Verschwörungstheorien fehlinterpretierten und ihn als scheinbaren Bruder im Geiste als Gastredner einluden.

Was zum Stichwort „Kompetenz“ führt. Streiten halten Friedmann und Deitelhoff für eine Kompetenz, die es wieder mehr zu fördern gelte. Ein Wechsel von langen Monologen, bei denen alle auf ihren Positionen beharrten, sei kein Streitgespräch, sagt Friedmann. „Es ist Monolog.“ Ebenso wie Lügen immer Lügen blieben, auch wenn sie im „Anschein des Arguments gekleidet seien“.

Die Diskutanten benötigten die Bereitschaft zuzuhören, auch zu zweifeln an der eigenen Position, sie müssten etwas lernen wollen und den Gegner als gleichwertig anerkennen. Und natürlich bräuchten sie Kenntnisse und Hingabe, emotional solle es bitte schon sein. „Wir sind keine Roboter.“

Auf all diese Dinge soll sich das Publikum freuen. Ebenso die Schulklassen, die das Projekt begleiten und mitgestalten. Aus dem Hinterzimmer sind sie zugeschaltet, werten Argumente aus, geben den Diskutanten Hinweise. Wie weit sie sich gegenüber dem wortgewandten Podium behaupten können, ist Teil des Experiments. Debattieren, eigene Positionen einnehmen, verteidigen, dafür gebe es an den Schulen heute zu wenig Raum, sagt Deitelhoff.

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