Galerien in der Fahrgasse haben zum Open Sunday eingeladen.

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Stell dir vor es ist Kunst und keiner geht hin


  • Stefan Behr

    VonStefan Behr
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Beim „Open Sunday“ der Galerien in der Fahrgasse ist nicht gerade der Teufel los. Und nicht immer ist klar, was Kunst ist, und was nicht.

Ernst ist die Lage, heiter die Kunst. Während alle Welt den Lockdown diskutiert, bitten die Galerien in der Fahrgasse am Sonntag zum „Open Sunday“. Besucher:innen sollen „die 2-G-Regelung mit Maske und Abstand“ beachten. So viel Fürsorge wäre gar nicht vonnöten gewesen. Gegen 14.30 Uhr jedenfalls ist von Publikumsinteresse wenig zu spüren.

Menschenleer etwa präsentiert sich die Galerie Greulich. Das kann natürlich an der dortigen Skulptur liegen, die dem Galerienamen alle Ehre macht: Holzbretter, Teppichreste und Farbeimer türmen sich zu einem monströs anmutenden… ach nee, das ist gar keine Skulptur, die Galerie wird anscheinend gerade renoviert und ist geschlossen. Genau wie die benachbarte Galerie Siedlarek, wo die Renovierer offenbar im Zornesrausch alte Billy-Regale verbogen und zerhackt und zu einem monströs anmutenden…ach nee, da wird gar nicht renoviert, das ist eine Skulptur. Die Galerie ist offen. Ist nur niemand drin.

Wenigstens die Galerie Kyubang retten den Open Sunday vor der völligen Vereinsamung. Tatsächlich sitzen und stehen dort etliche Besucher:innen. Das hat aber nicht nur ästhetische, sondern wohl auch kulinarische Gründe. In der weisen Erkenntnis, dass der Mensch nicht von Kunst allein leben kann, haben die Betreiber sich entschlossen, ihre Galerie auch zu einem Café zu machen.

Insofern darf man den Tag zumindest als Bestätigung der These des Hofmalers Conti sehen, der in Lessings „Emilia Galotti“ von seinem Brötchengeber, Prinz Hettore Gonzaga, „Was macht die Kunst?“ gefragt wird – und darauf mit „Die Kunst geht nach Brot!“ antwortet.

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