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Schifffahrtkrise wegen Ukrainekrieg: Kriegsfolgen auf hoher See

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Schifffahrtkrise wegen Ukrainekrieg: Kriegsfolgen auf hoher See

Schifffahrtkrise wegen Ukrainekrieg: Kriegsfolgen auf hoher See

Viele der 1,9 Millionen Seeleute weltweit sind Ukrainer oder Russen – der Krieg stürzt sie in eine Krise. Vor allem die Frachtschifffahrt leidet.

4 MÄnner an einem Billardtisch, über ihnen Rettungsringe

Ukrainische Seeleute beim Billard im Seemannsclub „Duckdalben“, Hamburger Hafen Foto: Marcus Brandt/dpa

HAMBURGtaz | Der Ukrainekrieg schlägt auch auf See hohe Wellen. Zwar sind die Handelsflotten Russlands und der Ukraine gemessen an der deutschen klein, nicht aber die Zahl der Seeleute. Ukrainische und russische Seefahrer stellen auf den Schiffen der deutschen Handelsflotte laut Reederverband VDR in Hamburg einen wichtigen Teil der Besatzungen: Etwa 5.000 Seefahrer aus beiden Ländern arbeiten teilweise an Bord desselben Schiffes. Das entspricht nahezu der Zahl der deutschen Matrosen und Offiziere.

Vor allem als Offiziere sind ukrainische und russische Seeleute auch international nahezu unverzichtbar. Die Zahl der Russen auf hoher See wird auf rund 200.000 beziffert, 76.000 sind Ukrainer. Weltweit stellen Crew-Mitglieder aus beiden Staaten damit rund 15 Prozent aller 1,9 Millionen Seeleute. „Sie könnten Schwierigkeiten haben, in ihre Heimat zurückzukehren oder nach Ablauf ihrer Verträge wieder auf die Schiffe zu kommen“, warnt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Allianz in München.

Belastend für die Besatzungen bleibt weiterhin die Coronapandemie. Vor allem vor chinesischen Häfen stauen sich Hunderte Frachter. Doch auch unabhängig davon spricht Justus Heinrich von der Allianz-Schifffahrtsversicherung AGCS von einer „Besatzungskrise“.

Denn die Nachfrage nach Crew-Mitgliedern ist infolge der anziehenden Weltwirtschaft vor allem in Asien hoch, doch viele qualifizierte und erfahrene Seeleute verlassen die Branche. Innerhalb von fünf Jahren werde es an Offizieren ernsthaft mangeln.

2021 mehr Schiffsunfälle

Bei Seeleuten, die an Bord bleiben, sei die Arbeitsmoral niedrig, da der wirtschaftliche Druck, anspruchsvolle Vorschriften und die physische Belastung hoch sind. Eine solche Arbeitssituation erhöhe die Fehlerneigung – 75 Prozent der Zwischenfälle in der Schifffahrt führt die Allianz auf menschliches Versagen zurück.

So stieg 2021 die Zahl der gemeldeten Schiffsunfälle. In den engen Fahrgebieten um die Britischen Inseln ist die Zahl traditionell am höchsten (668 von 3.000). Brände, wie der an Bord des Autotransporters „Felicity Ace“ im Atlantik, führten im vergangenen Jahr zu 54 Totalverlusten von großen Schiffen. In solchen Notfällen kann die Größe der Schiffe zum Problem werden: Denn viele Häfen sind einfach zu klein für die dicken Pötte mit bis zu 24.000 Containern an Bord und es mangelt an passenden Bergungskapazitäten.

Brände brechen häufig in Containern aus, was die Folge von falsch deklarierter gefährlicher Ladung wie Chemikalien und Batterien sein kann – etwa 5 Prozent der verschifften Stahlboxen sind heimlich mit Gefahrgütern gefüllt. Auch die wachsende Zahl von Elektrofahrzeugen, die auf dem Seeweg transportiert werden, erhöht das Brandrisiko: Zum einen sind die Lithium-Ionen-Akkus hoch entzündlich, zum anderen können die bordeigenen Löscheinrichtungen ein schnell loderndes Feuer kaum rechtzeitig eindämmen.

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