Alexander Breit sieht den Radentscheid Frankfurt als „Kipppunkt“ hin zum fahrradfreundlichen Umbau der Stadt. Foto privat

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Radentscheid-Sprecher: „Gastronomie und Handel profitieren von der Umgestaltung“


  • Florian Leclerc

    VonFlorian Leclerc
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Alexander Breit vom Radentscheid Frankfurt setzt sich für menschenfreundliche Nebenstraßen ein.

Die neue Koalition im Bund stellt gerade die Eckpunkte ihres Koalitionsvertrags vor, als Alexander Breit fürs Interview ans Telefon geht. Von der Ressortverteilung ist er überrascht.

Herr Breit, die Koalition im Bund hat die Ressortverteilung bekannt gegeben. Die FDP übernimmt das Bundesverkehrsministerium.

So ist das.

Zum Radverkehr gibt es nur einen Absatz im Koalitionsvertrag: Der nationale Radverkehrsplan wird umgesetzt und fortgeschrieben, die kommunale Radinfrastruktur soll gefördert werden.

Ich bin gespannt, wie sich das auf die kommunale Ebene auswirken wird. Es war historisch bislang so, dass das Bundesverkehrsministerium eher auf die bundeseigene Verkehrsinfrastruktur schaute, auf Autobahnen, Wasserwege und Schienen.

In Frankfurt-Sachsenhausen wurde ein Radweg auf der Walter-Kolb-Straße rot markiert. Begrüßen Sie das?

Auf jeden Fall. Das bürgerschaftliche Engagement von Radentscheid, ADFC und VCD zeigt Wirkung.

Die Organisationen, die sie nennen, hatten im Sommer einen Pop-Up-Radweg auf der Straße markiert.

Genau. Beim neuen Radweg auf der Walter-Kolb-Straße gibt es nun Startschwierigkeiten – Autos, die auf dem Radweg fahren. Da wird die Stadt noch nachbessern müssen.

Der Radweg endet auf Höhe der Gartenstraße. Ist das ein Stück weit Symbolpolitik?

Für Symbolpolitik halte ich das nicht. Der Radweg auf der Walter-Kolb-Straße ist die sinnvolle Fortsetzung des Radwegs von der Friedberger Landstraße über die Alte Brücke. Natürlich muss er weitergeführt werden. Dazu gehört der Verlauf über die Schweizer Straße. Über deren Umgestaltung berät der Ortsbeirat 5 in einer Sondersitzung am nächsten Freitag. Es gibt ja immer noch Gruppen, die gegen Radwege opponieren …

Zur Person

Alexander Breit ist 30 Jahre alt und arbeitet als Stadtplaner im Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt am Main. Er engagiert sich seit 2017 für den Radentscheid Frankfurt. fle

Gegen fahrradfreundliche Nebenstraßen sprechen sich Teile des Einzelhandels aus.

Dieses Branding fahrradfreundliche Nebenstraßen finde ich etwas bedauerlich. Eigentlich müsste es menschenfreundliche Nebenstraßen heißen. Es geht um eine grundlegende Umverteilung des Straßenraumes weg vom privaten Autoverkehr hin zu mehr Grünflächen, mehr Platz für den Fußverkehr, die Außengastronomie – und ja, auch mehr Platz für den Radverkehr.

Was entgegnen Sie Skeptikerinnen und Skeptikern?

Gerade der Einzelhandel und die Gastronomie profitieren doch von der Umgestaltung, weil Menschen, die zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV kommen, für mehr Umsatz sorgen als Menschen im Auto. Das zeigen zahlreiche Untersuchungen. Gerade in der Konkurrenz zum Online-Handel muss ein lokales Geschäft doch auf Erlebnis und Aufenthaltsqualität setzen. Und das in Verbindung mit weniger Lärm, weniger Abgasen und einer erhöhten Sicherheit auf der Straße.

Seit zwei Jahren wird der Radentscheid-Beschluss in Frankfurt umgesetzt, wie kommt das Projekt aus Ihrer Sicht voran?

Wir sind leider hinter der Zeit. Die Forderungen sind teilweise nicht umfassend umgesetzt oder bleiben hinter den Ansprüchen zurück. Wir machen weiter Druck. Trotzdem: Ich freue mich über jeden Radweg, der neu entsteht. Und wenn man sich das Tempo des Radwegeausbaus vor und nach dem Radentscheid anschaut, haben wir einen riesigen Sprung gemacht.

Die Politik bewegt sich natürlich besonders dann, wenn der Bürger:innenwille so deutlich wird wie beim Radentscheid.

Es ist wie bei vielen gesellschaftlichen Umbrüchen. Am Anfang geht es sehr langsam. Dann kommt der Kipppunkt. Dann geht es sehr schnell. Ich hoffe, dass wir mit dem Radentscheid diesen Kipppunkt in Frankfurt erreicht haben. Die Ergebnisse der Kommunalwahl haben ja auch gezeigt, dass die Menschen den Wandel wollen.

Was sollten die nächsten Prioritäten sein?

Wir sollten stark auf die fahrrad- beziehungsweise menschenfreundlichen Nebenstraßen schauen. Der Oeder Weg wurde teilweise umgestaltetet. Da fehlen noch wichtige Maßnahmen wie der Modalfilter, also die Sperre für den Durchgangsverkehr, an der Holzhausenstraße.

Auf diese Sperre hatte sich der Ortsbeirat 3 schon verständigt.

Das wird zu einer neuen Qualität auf dem Oeder Weg führen. Aktuell diskutieren wir den Grüneburgweg und den Kettenhofweg. Den Ortsbeirat 3 konnten wir bei der Umgestaltung des Grüneburgwegs überzeugen. Die Diskussion mit dem Ortsbeirat 2 zum Kettenhofweg steht noch an. Nächste Woche Mittwoch tagt der OBR 2 dazu. Wir werden dabei sein und uns der Diskussion stellen. Im Ortsbeirat sind immer Einzelne, die gegen eine Umgestaltung sind. Die breite Masse der Bevölkerung hält die Veränderung aber für den richtigen Weg.

Interview: Florian Leclerc

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