Für Mobilität zuständig. Stefan Majer (li) und Wolfgang Siefert.

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Majer: „Die Menschen in Frankfurt erwarten die Verkehrswende – und zwar jetzt“


  • Florian Leclerc

    VonFlorian Leclerc
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Der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer und sein designierter Nachfolger Wolfgang Siefert stellen im Interview ihre Schwerpunkte vor.

Als Stefan Majer 2016 das Verkehrsdezernat an Klaus Oesterling übergab, brachte er ihm einen Staffelstab mit. Ein Symbol dafür, dass die meisten Verkehrsprojekte nicht in einer Amtszeit zu erledigen sind. Den Staffelstab bekam er nun zurück.

Herr Majer, welche Projekte von Klaus Oesterling gehen Sie nun an?

Klaus Oesterling brennt für den Schienenverkehr und hat viele Projekte aus meiner Zeit weitergeführt, etwa mein Lieblingsprojekt, die Regionaltangente West, oder die nordmainische S-Bahn. Da gibt es eine Kontinuität vom früheren Verkehrsdezernenten Lutz Sikorski (Grüne) über mich zu Klaus Oesterling und nun wieder zu mir zurück. In zwei Jahren wird Wolfgang Siefert den Staffelstab übernehmen.

Herr Siefert, Sie sind persönlicher Referent von Herrn Majer und sollen laut Koalitionsvertrag in zwei Jahren Verkehrsdezernent werden, wenn Stefan Majer in den Ruhestand geht. Welchen Schwerpunkt wollen Sie beide in den kommenden Jahren setzen?

Siefert: Die Mobilitätswende ist unser Schwerpunktthema. Wir werden die Projekte aus dem Radentscheid fortführen und weiterentwickeln, So wird die Walter-Kolb-Straße in Sachsenhausen demnächst einen Radweg erhalten. Wir werden den ÖPNV weiter ausbauen und weitere Sharing-Angebote schaffen. Der Modal Split soll sich zugunsten des Umweltverbunds aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr entwickeln. Dazu brauchen wir teilweise eine klimagerechte Umgestaltung des öffentlichen Stadtraums.

Wo steht Frankfurt bei der Mobilitätswende, und wohin geht der Weg?

Siefert: Das Bürgerengagement für den Radentscheid hat vieles angestoßen. Die Menschen wollen, dass sich etwas verändert. Künftig sollen auch mehr Fördermittel für klimafreundlichen Verkehr bereitstehen. Diese wollen wir nutzen.

Herr Majer, in ihrer Amtszeit tauchten die Schutzstreifen für den Radverkehr auf, unter Klaus Oesterling kamen rote Radwege hinzu. Wird es künftig mehr baulich getrennte Radwege geben – oder markieren Sie alles grün?

Das Bezeichnende an der Entwicklung war: Nachdem wir gezeigt haben, dass einfache und schnelle Änderungen möglich sind, haben die Bürgerinnen und Bürger gesagt: Wir wollen noch mehr. So wird das auch weitergehen. Die Radfahrenden haben die Erfahrung gemacht, dass sie, sinnbildlich gesprochen, nicht mehr am Katzentisch sitzen. Wir werden die künftigen Radwege nach den Kriterien bauen, die mit dem Radentscheid vereinbart wurden. Aber das müssen schnelle Projekte sein, nicht Umbauten für die Ewigkeit. Die Menschen erwarten die Verkehrswende – jetzt. Wir werden ihnen den ro- ten Teppich ausrollen, denn da-ran erinnern mich die roten Radwege.

Schnelle Projekte, das heißt Radwege statt Parkplätze?

Majer: In der Innenstadt wollen wir den Straßenraum so umverteilen, dass nur noch der Lieferverkehr und Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum parken können. Für alle anderen gibt es die Parkhäuser.

Siefert: Eine Grundlage dafür ist das Konzept Stadt am Main. In der Innenstadt gibt es zusätzlich zu den vielen Parkhausplätzen vergleichsweise wenig Parkplätze an den Straßen, die aber sehr viel Suchverkehr produzieren. Da werden wir Stück für Stück rangehen. Die roten Radwege werden wir aber auf keinen Fall anders einfärben oder die Farbe Grün einführen. Vielmehr werden wir bei baulichen Trennungen eher auf die rote Farbe verzichten. Die große Aufgabe ist nun, die vielen Radwege zu einem erlebbaren Netz zusammenzufügen.

Majer: Die Farbe Grün kommt, wenn wir Flächen entsiegeln und Straßen begrünen.

Werden Sie die Planungen für Straßenbahnen in die Region, nach Bad Vilbel, Neu-Isenburg, Dreieich und Langen weiterführen?

Siefert: Es ist uns wichtig, diesen Dialog, den Stadtrat Oesterling aufgenommen hat, fortzuführen. Es ist ein wichtiger Teil der Verkehrswende, dass die Umlandgemeinden gut an den ÖPNV angebunden sind, damit Pendlerinnen und Pendler nicht mehr mit dem Auto fahren müssen.

Frankfurt ist Pendlerhauptstadt in Deutschland. Wie wollen Sie es schaffen, dass weniger Menschen das Auto nehmen?

Majer: Ich sehe gute Chancen, den Baustart für die großen Projekte Regionaltangente West und nordmainische S-Bahn, die einen Quantensprung für den ÖPNV darstellen, in den kommenden Jahren zu verwirklichen. Aber auch die Radschnellwege in die Region haben ein großes Potenzial, um Pendlerverkehr aufzunehmen. Für viele Menschen ist Radfahren zur Arbeit auch ein Benefit, weil sie noch etwas für ihre Gesundheit tun. Dafür brauchen wir eine gut ausgebaute Infrastruktur..

Zur Person

Stefan Majer (63) kam in Tübingen zur Welt, studierte Evangelische Theologie, arbeitete bei der Aids-Hilfe, später für die Grünen in Frankfurt, dann die Grünen im Landtag. Seit 2011 ist er Stadtrat, zunächst für Verkehr, ab 2016 für Personal und Gesundheit, bis 2023 für Mobilität und Gesundheit.
Wolfgang Siefert (51) wurde in Zell im Wiesental geboren, hat BWL studiert und die Medienagentur Mediatis im Frankfurter Bahnhofsviertel gegründet und geleitet. Grüner Stadtverordneter war er ab 2011, nun ist er Referent im Verkehrsdezernat. 2023 soll er Verkehrsdezernent werden. fle

Sind Sie Freunde der City-Maut?

Siefert: Die Finanzierung des ÖPNV ist für uns eine der größten Aufgaben. Die Kommunen sind ja chronisch unterfinanziert. Uns muss es darum gehen, dass Verkehrsträger, die hohe Kosten verursachen, sich auch an den Kosten beteiligen. Der Autoverkehr trägt in Frankfurt nicht die Kosten, die er verursacht. Deswegen steht auch im Koalitionsvertrag, dass geprüft werden soll, wie die tatsächlichen Kosten der verschiedenen Verkehrsarten aussehen.

Die Corona-Zeit hat die Pendlerströme verändert …

Siefert: Homeoffice lässt sich als eine Chance begreifen, dass die Zahl der Autos, die täglich nach Frankfurt kommen, zurückgeht. Gleichzeitig sind die Fahrgastzahlen im ÖPNV gesunken. Wir wollen den ÖPNV wieder zur ersten Wahl machen.

Majer: Alle Studien haben gezeigt, dass es kein spezifisches Corona-Risiko im ÖPNV gibt.

In Frankfurt sind auf Straßen in der Regel zwei Drittel für Autos da, ein Drittel für den Rest. Wollen Sie dafür sor- gen, dass es etwas gerechter zugeht?

Siefert: Unser Ziel ist es, mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, darum beschäftigen wir uns mit dem ruhenden Verkehr im Straßenraum. Die Lokale und Geschäfte fragen auch nach, ob sie mehr Raum im Außenbereich für sich nutzen können.

Majer: Wir wollen, dass es gerechter und sicherer im Straßenraum zugeht. Insbesondere Kinder und alte Menschen sollen sich sicher bewegen können. Wir müssen beispielsweise dafür sorgen, dass Kreuzungen nicht zugeparkt werden.

Rund um Frankfurt werden Autobahnen ausgebaut. Wie stehen Sie dazu?

Majer: Wenn es nach mir ginge, bräuchten wir gar keinen Autobahnausbau, sondern eine Instandsetzung der Infrastruktur. Da bin ich an der Seite des hessischen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir.

Die Deges prüft im Auftrag von Stadt und Land den sechsspurigen Ausbau der A661 mit einer Einhausung.

Siefert: Die Einhausung unterstützen wird natürlich. Sie trägt zur Stadtreparatur bei. Den Ausbau der A66 mit Riederwaldtunnel können wir nicht mehr aufhalten.

Majer: Der Sündenfall war doch, dass die A661 mitten durch die Stadt gebaut wurde. Die große Chance, die wir mit der Einhausung haben, ist, dass wir diese Wunde ein Stück weit wieder schließen können. Ich setze darauf, dass eine neue Bundesregierung eine Verkehrswende auch bei den Autobahnen realisiert.

Klaus Oesterlings Lieblingsprojekt ist die Verlängerung der Straßenbahn in Höchst. Führen Sie das fort

Siefert: Das wollen wir im Zusammenhang mit der RTW angehen. Es ist eine historische Chance für die Verlängerung, die den Menschen in Höchst ja schon zur Eingemeindung 1928 versprochen wurde.

Interview: Florian Leclerc

In Frankfurt sind zuletzt rote Radwege hinzugekommen. Künftig soll es weitere bauliche getrennte Radwege geben.

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In Frankfurt sind zuletzt rote Radwege hinzugekommen. Künftig soll es weitere bauliche getrennte Radwege geben.

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