Über die Bassdrum und Hängetom eines Schlagzeuges läuft Wasser, das Töne erzeugt

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Kunst in Kreuzberg: Das Wasser als Drummer

Kunst in Kreuzberg: Das Wasser als Drummer

Von Wasser bis Bilderfluten: Die Gruppenausstellung „Wild Frictions: Politische Poesien der Störung“ im Kunstraum Kreuzberg folgt ihrem eigenen Takt.

Über die Bassdrum und Hängetom eines Schlagzeuges läuft Wasser, das Töne erzeugt

Nikita Gale, „DRRRUMMERRRRRR“, 2019/21, Drum kit, rubber, water, steel, and water pumps Foto: Nihad Nino Pušija

Es scheuert und schäumt, prallt dumpf auf die Felle und hallt nach in der Brust. Ist man von ihrer gebündelten Kraft erst einmal umgeben, stellt sich die Verbindung zwischen Schlagzeug und Wasser wie selbstverständlich dar. Vibration und Leiterelemente treffen aufeinander, der Boden ist längst nass. Für ihre Installation „DRRRUMMERRRRRR“ hat Nikita Gale ein Drumset in seine Elemente aufgeteilt und in Baustellenkübel verteilt, alles ergießt sich über die Snare, die HiHat, die Bassdrum, die Standtom.

Eben erst eingetreten durch Nora Turados pinke PVC-Bahnen, auf denen in Rot „alright, alright, alright“ prangt und die den Eingang zu den Räumen einfach um ein paar Meter weiter nach vorne in den Flur verlegen als die Be­su­che­r:in­nen ihn gewohnt sind, rauscht es hier nur so durch ei­ne:n durch.

Das Wasser als Drummer. So wird der leicht verkopft klingende Titel „Wild Frictions: Politische Poesien der Störung“ der von Sandra Teitge und Amara Antilla kuratierten Gruppenausstellung im Kunstraum Kreuzberg gleich beim Reinkommen in Bewegung versetzt. So, als könne man nicht schnell genug hineinspringen in diesen Sog aus Gewässern, Wandmalereien (Christine Sun Kim), Soundscapes (Banu Çiçek Tülü) und Nachrichtenschnipseln.

Schwarze Medienarchive: „BLKNWS“

Die Ausstellung

Kunstraum Kreuzberg, mit Félicia Atkinson, Trisha Baga, Cameron Downey, Anna Ehrenstein, Nikita Gale, keyon gaskin, Birgit Hein, Steffani Jemison, Kahlil Joseph, Ani Kasten, Christine Sun Kim, Janette Laverrière, Ouecha, Laure Prouvost, Lili Reynaud-Dewar, Jimmy Robert, Pilvi Takala, Banu Çiçek Tülü und Nora Turato, bis 22. August, So.–Mi. je 12–18 Uhr; Do.–Sa. je 12–20 Uhr, Mariannenplatz 2

Fast schon übertönt von Gales Wasserfellen wird Kahlil Josephs fortlaufende Videoarbeit „BLKNWS“, eine Collage aus Blitzlichtern auf mediale Repräsentationen Schwarzen Lebens in den USA, die 2019 u. a. auf der 58. Venedig Biennale zu sehen war und die der Künstler regelmäßig aktualisiert und neu zusammensetzt: Sade trifft Arthur Jafa trifft „12 O’Clock Boys“ trifft zufälliges Black Jesus-Gemälde. Die TV-Ausschnitte, Memes und Archivmaterialien werden dabei von BLKNWS-Moderator:innen begleitet, an deren Tassen sich das jeweilige Sendeformat erahnen lässt.

Eine andere Form des Rauschens ist dieser unablässige Mix, auch hier scheint Reibung am Ende das richtige Stichwort. Josephs 47 Minuten zeigen, wie sehr auch die Popkultur an den Lücken der Darstellung ansetzt und Teil der Aushebelung, ja der Aufsprengung einer rassistischen Gesellschaftsordnung sein kann.

Poetische Keramik

Programm

N*A*I*L*S Workshop mit Thams Does Nails, So., 8. 8., 12–16h Uhr (QTI*BIPoC/Kostenlos) & 15. 8., 12-16 Uhr (offen für alle/ 25 EUR);

N*A*I*L*S Panel u. a. mit Suza Husse, feat. Yen Le (Le Nails Education Centre Berlin), eingeladen von Anna Ehrenstein, Di., 17. 8., 18 Uhr Uhr;

“What Is Dead May Never Die“, Performance von Nora Turato, So., 22. 8., 14 Uhr;

Anmeldung & weitere Termine: www.kunstraumkreuzberg.de

Die Ausstellung enstand in Zusammenarbeit mit dem Contemporary Arts Center Cincinnati, wo weitere Arbeiten der meisten in Berlin gezeigten Künst­le­r:in­nen sowie zusätzliche Positionen noch bis Mitte September zu sehen sind.

Viele der 19 in Berlin gezeigten Positionen sind großformatig und raumgreifend. Doch auch Tonarbeiten von Ani Kasten und Trisha Baga, die eher auf den Punkt statt auf die Fläche gebracht sind, behaupten sich hier. Ani Kasten tut dies mit abstrakten, rauen Verläufen, die sich über ihre Gefäße ziehen und diese zu einer Behausung aus der Zukunft werden lassen.

Trisha Baga ist mit zwei sapphischen Inseln präsent, auf denen sich mit schneller Hand geknetete Figuren räkeln. Lesbische Keramik – das ist doch mal ein schönes neues (Non-)Genre, an dem wir uns gleich wieder reiben können.

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