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Kinotipp der Woche: Mehr als nur ein Spiel

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Kinotipp der Woche: Mehr als nur ein Spiel

Kinotipp der Woche: Mehr als nur ein Spiel

Das Filmfestival 11mm im Babylon Mitte zeigt Filme rund um den Fußball, die die Sportart auch von ihrer politischen Seite her beleuchten.

Zwei Männer in einem Reisebus. Stehend, rauchend und einer mit einer Getränkedose in der Hand

Szene aus „Robin’s Hood“ (AT 2020, R: Jasmin Baumgartner) Foto: Olga Kosanovic

Der Präsident des Wiener Amateurfußballvereins RSV ist für alle nur der Robin und der wiederum ist ein Ex-Knacki, der einst für den Besitz von 70 Kilogramm Cannabis in den Bau musste. Spielt seine Mannschaft, steht er so gut wie immer am Spielfeldrand und brüllt seinen Jungs irgendwelche Anweisungen zu oder zeigt den Stinkefinger in Richtung der Gegner oder des Schiedsichters.

Und trotzdem ist er, der gemeinsam mit seinem Team in Jasmin Baumgartners Dokumentation “Robin’s Hood“ (2020) portraitiert wird, eine Art Held mit moralischem Kompass mitten in den Abgründen der österreichischen Amateurkickerwelt. Seine bunte Truppe besteht hauptsächlich aus Migranten und wenn diese auf irgendwelchen Ackern in Wiener Vororten auftritt, ist immer was los.

Fans der gegnerischen Mannschaften brüllen “Arschficker“ und der schillernde Papy, ein gealterter Exprofi, wird “Banana Joe“ genannt und mit dem N-Wort übersät. Immer wieder kommt es zu Roten Karten und Handgemengen und Robin stellt sich dann hinter sein Team, bei dem er sich hinterher für den grauenhaften Rassismus der anderen entschuldigt.

Über mehrere Saisons hat Regisseurin Baumgartner Robin und seinen RSV begleitet und sie hat dabei ziemlich irres Material gesammelt, das teilweise ziemlich deprimierend ist, aber auch einen Haufen Fußballer zeigt, die gemeinsam mit ihrem Präsidenten durch Dick und Dünn gehen und sich nicht unterkriegen lassen. Gemeinsam wird gefeiert, gesoffen und gekifft, aber auch gelitten.

Das Festival

11 mm – International Football Film Festival Berlin: vom 12. bis 16. Mai im Kino Babylon Mitte, www.11-mm.de

Zum ganz besonderen Trip wird dann die Fahrt ins Trainingslager in Slowenien. Kurz vor der Grenze verlangen die Spieler nach einer Pinkelpause. Robin beschwört sie noch, jetzt bloß keinen Quatsch zu machen, nicht irgendwo in die Büsche zu pinkeln oder sich beim Klauen an der Tanke erwischen zu lassen. Aber prompt bekommt Papy Ärger mit der Polizei, die ihn mit einem Joint in der Hand entdeckt.

“Robin´ s Hood“ ist eines der Higlights beim 18. Filmfestival “11 mm“, bei dem Filme rund um den Fußball in allen nur erdenklichen Facetten gezeigt werden und das vom 12. bis zum 16. Mai im Kino Babylon Mitte über die Bühne geht.

Die Filmauswahl beweist auch in diesem Jahr, dass über den Fußball weit mehr zu erzählen ist, als Geschichten über Siege und Niederlagen. Fußball ist auch Politik, für manche eine Religion, gar Lebensinhalt, und birgt damit genug Stoff für Erzählungen aller Art.

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Etwa für die über das schwedische Ausnahmetalent Martin Bengtsson in “Tigers“. Regisseur Ronnie Sandahl verfilmt hier die Autobiographie von Bengtsson, der schon als 16-Jähriger bei den Profis von Inter Mailand landete, aber an dem Erfolgsdruck beinahe zugrunde ging. Der Jugendliche ist anders als die anderen jungen Kicker um ihn herum, sensibel und eher nach der Achtung seines Vaters strebend, denn nach dem ersten Lambo und einem Trophy-Wife, wie das bei Profifußballern so üblich ist.

Und er will ein gewisses Maß an Freiheit, das ihm ein Umfeld, in dem Spieler Investitionen sind, die gehütet werden müssen, nicht zu geben bereit ist. Für Martin Bengtsson bleibt nur der Ausbruch aus diesem System, auch wenn er damit seinen großen Lebenstraum aufgeben muss.

Fußball, der weit mehr ist als nur ein beliebter Sport, darum geht es dann auch in “90 Minutos“ (2019) von Aeden O’Connor. In dem Episondenfilm werden die ganz unterschiedlichen Schicksale von Menschen aus Honduras miteinander verknüpft, bei denen der Fußball eine gewisse Rolle spielt.

Einer wird in einer Bar in Mexiko zusammengeschlagen, als Honduras bei einem Fußballspiel gegen das mexikanische Team das 1:0 schießt. Ein Fußballhooligan wird getötet, ein Fußballreporter von Narcos gejagt: Erzählt wird weniger vom Spiel, als vielmehr von einem Land, das von Gewalt und Drogenkriminalität gebeutelt wird.

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