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Kämpferischer Black History Month: Der Monat der Hel­d*in­nen

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Kämpferischer Black History Month: Der Monat der Hel­d*in­nen

Kämpferischer Black History Month: Der Monat der Hel­d*in­nen

Den Februar erinnern Schwarze Initiativen an das koloniale und rassistische Erbe. Neuer Förderfonds für Projekte der afrodiasporischen Communitys.

Die Schwarzen Autorinnen und Aktivistinnen Audre Lorde und May Ayim vor Verkaufsständen auf dem Winterfeldplatz in Berlin-Schöneberg im Jahr 1992

Sie kannten sich: Audre Lorde (li.) und May Ayim auf dem Winterfeldplatz in Berlin-Schöneberg, 1992 Foto: Dagmar Schultz/FFBIZ

BERLINtaz | Der Black History Month, der in den USA, Kanada und Deutschland alljährlich im Februar begangen wird, kommt in diesem Jahr mit einer kleinen Sensation daher: Es geht ein Fonds an den Start, der die spezifische Förderung der politischen Bildungsarbeit Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Communitys zum Ziel hat.

Die Informationsveranstaltung zum „May Ayim Fonds“ am 1. Februar bildet deshalb auch den Auftakt des Programms zum Black History Month von Each One Teach One – kurz Eoto. Der Berliner Verein hat dem Ganzen jedoch, wie schon im vergangenen Jahr, einen eigenen Namen gegeben: „Black OurStory Month“.

Black History Month

Alljährlich im Februar wird der Black History Month in Kanada, in den USA und Deutschland mit unterschiedlichsten Veranstaltungen begangen. In Großbritannien wird der Black History Month im Oktober gefeiert.

Each One Teach One e. V. Der Vereinsname wurde im Kontext Schwarzer, rassismuskritischer Widerstandsbewegungen geprägt. Er verweist auf den Mangel an Zugängen zu formaler Bildung in der Zeit der Versklavung und des Kolonialismus. Zudem verweist er auf die Notwendigkeit, Wissen innerhalb Schwarzer Familien und Gemeinschaften weiterzugeben. Each One Teach One (Eoto) e. V. ist ein Community-basiertes Bildungs- und Empowerment-Projekt in Berlin. Das vollständige Programm des Vereins zum Black OurStory Month unter www.eoto-archiv.de/neuigkeiten. (taz)

„Wir haben den Black History Month in Anlehnung an die Black Student Union an der Universität Bremen in Black OurStory Month umbenannt, um sprachlich – aber auch auf konzeptioneller Ebene – ein Zeichen zu setzen“, sagt Feven Keleta von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Eoto. „Um uns darauf zu konzentrieren, dass wir als Gemeinschaft jenseits des Hetero- und Cis-Normativen feiern und all unsere Geschichten ehren wollen.“

„Das Programm bei Eoto ist ähnlich umfassend wie vor Corona“, so Keleta, „an fast jedem Tag im Februar gibt es eine Veranstaltung. Nur findet das Meiste eben digital statt.“ Die Bandbreite ist groß: Neben unterschiedlichen Workshops finden Lesungen für Kinder, Filmnächte und Kleidertauschpartys statt, Yoga steht genauso auf dem Programm wie politische oder finanzielle Bildung. Es wird „Streiträume“ geben, in denen es zum Beispiel um Themen wie Anti-Schwarzem Rassismus und Antisemitismus – oder Panels zu „Queer Spaces of Empowerment“ geht.

Start für May-Ayim-Fonds

Pünktlich zu Beginn des Black OurStory Months des Vereins Eoto geht am 1. Februar der May-Ayim-Fonds mit einer Infoveranstaltung an den Start. Mit diesem Fonds wird erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ein Fördertopf zur spezifischen Förderung der politischen Bildungsarbeit Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Communitys installiert.

„Es braucht eine dezentrale Förderung, spezifisch auf Schwarzes Empowerment fokussiert, die Schwarze Menschen als Schwarze Menschen fördert, nicht nur als Menschen mit Migrationshintergrund“, erklärt Jeff Kwasi Klein vom May-Ayim-Fonds den Ansatz.

„Es gibt innerhalb der Schwarzen Communitys schon lange die Idee, Community-basierte Finanzierungsmöglichkeiten unabhängig von staatlichen Geldern auf die Beine zu stellen. Weil die Förderlogik, wie sie derzeit besteht, oft dazu führt, dass Schwarze Menschen kaum Zugang zu Fördergeldern haben. Das ist vor allem schwer für Initiativen Schwarzer Menschen, die sich in Gruppen organisieren, die keine eingetragenen Vereine sind. Sie kommen in informellen Kreisen, in Kollektiven, in Kirchen oder Moscheen, zusammen.“

Mit dem May-Ayim-Fonds kann nun eine ideelle und finanzielle Unterstützung von selbstorganisierten Schwarzen Aktivist*innen, Initiativen und Organisationen in Deutschland erfolgen. Staatlich gefördert, „aber eben mit einer anderen Förderlogik“, wie es Klein formuliert: Die Bundeszentrale für politische Bildung und auch die Allianz Kulturstiftung finanzieren den Fonds. „Der Fördertopf umfasst 50.000 Euro. Mindestens zehn Projekte sollen diese Förderung erhalten“, sagt Klein.

Während der Laufzeit können deutschlandweit Projekte durch eine Mikrofinanzierung von bis zu 5.000 Euro finanziert und durch bedarfsgerechte Angebote begleitet werden – zum Beispiel durch Konzeptarbeit, Vernetzung mit Ex­per­t*in­nen oder weitergehender Fördermittelakquise –, auch um im Anschluss eine weitere Finanzierung zu erhalten.

„Großes Erbe hinterlassen“

Die Namensgeberin May Ayim (1960–96) war Dichterin, Autorin, Vordenkerin und Aktivistin, „die ein großes Erbe hinterlassen hat“, erklärt Klein. „Weil es ihr gelungen ist, Lebenserfahrungen von Schwarzen Menschen in Deutschland zu verwortlichen und damit greifbar zu machen. Ihr ist es gelungen aufzuzeigen, dass Schwarzsein und Deutschsein keine Gegensätze sind. Für uns steht ihre Person für den Widerstand gegen strukturellen Rassismus und war deshalb für diesen Fonds die beste Namensgeberin.“ Eine treffende Wahl.

Alle anderen Organisationen und Institutionen, die global und lokal Veranstaltungen beisteuern, haben den Namen Black History Month – wie weltweit auch – beibehalten. Selbst die Botschaft der USA in Berlin macht auf fünf ihrer Veranstaltungen aufmerksam. Zum Auftakt am 3. Februar gibt es eine virtuelle Veranstaltung, in deren Mittelpunkt Audre Lorde (1934–92) und ihre Berliner Jahre stehen. Es gibt einen Dokumentarfilm über die Schriftstellerin und Aktivistin, die sich selbst als black, lesbian, feminist, mother, poet, warrior – also Schwarze, Lesbe, Feministin, Mutter, Dichterin, Kriegerin – bezeichnete.

Zwischen 1984 und 1992 hatte sich Lorde öfter in Berlin aufgehalten, war zeitweise auch Gastprofessorin an der FU Berlin – und half maßgeblich bei der Entstehung der afrodeutschen Bewegung mit. Die Berlin-Aufenthalte wurden im Dokumentarfilm „Audre Lorde – The Berlin Years, 1984–1992“ festgehalten; der Film ist bereits 2012 erschienen. Im moderierten Gespräch treffen die beiden Filmemacherinnen Dagmar Schultz und Ika Hügel-Marshall auf Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e. V.

Auch das Theater an der Parkaue beteiligt sich am 3. Februar mit einer musikalischen Erzählung am diesjährigen Black History Month. In einer Collage erzählt der tansanische Aktivist Mnyaka Sururu Mboro gemeinsam mit dem Quartett Sauti é Haala aus seinem Leben und seiner Kindheit in der britischen Kolonialzeit.

Eine Kämpferinnennatur

Ein großes Talent zum Geschichte(n)erzählen hat auch Michaela Dudley, taz-Leser:innen werden sie aufgrund ihrer Kolumne „Frau ohne Menstrationshintergrund“ gut kennen. Nun hat die Berlinerin mit afroamerikanischen Wurzeln ihr neues Buch im Grünersinn-Verlag vorgelegt. „Race Relations: Essays über Rassismus“ ist ein wortgewaltiger, scharfzüngiger wie kluger Essayband, der ihre persönlichen Erlebnisse aus vergangenen Jahrzehnten mit historischen Ereignissen verknüpft. Angesichts des Black History Month könnte das Buch nicht besser platziert sein. Lautet Dudleys Leitsatz doch: „Die Entmenschlichung fängt mit dem Wort an, die Emanzipierung aber auch“.

Was bedeutet ihr der Black History Month persönlich? „Eine Zeit für Empörung und Empowerment“, antwortet Michaela Dudley. „Es geht ja darum, unsere Hel­d:in­nen zu feiern, deren Leidenswege bekannt zu machen, und deren Leidenschaft darzustellen. Dabei ist es für mich unerlässlich, die Biografien der Prot­ago­nis­t:in­nen und der Ant­ago­nis­t:in­nen im geschichtlichen Kontext zu präsentieren.“

Mit ihrem Buch stellt sie detailbesessen das „historische Ambiente“ mit in den Vordergrund, damit man „das Leiden und die Leidenschaft“ besser versteht. Es geht um mehr, „als Grabsteininschriften zu lesen. Man muss die Vergangenheit spürbar, ja erlebbar machen“, meint Dudley. „Erst dann begreift man wirklich, welchen Mut diese Menschen gebraucht haben. Wir wollen nicht lediglich als Opfer angesehen werden. Unsere Tapferkeit und unser Tatendrang verdienen Anerkennung.“

Aber so ein Monat rund um Black History, ist das nicht viel zu wenig? „Wohl wahr“, sagt Michaela Dudley, „mit diesem Monat gibt es immerhin einen Anstoß. Aber die Würdigung Schwarzer Leben muss auch nach dem 28. Februar stattfinden.“

Feven Keleta sieht das ähnlich. Für sie ist der Black History Month etwa ganz Besonderes. „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen und hatte gar keinen Zugang zu der Geschichten von Schwarzen Menschen, weder in der Schule noch sonst wo. Der Black History Month ist eine Möglichkeit, viele Leute abzuholen, communityintern Menschen weiterzubilden, voneinander zu lernen. Aber am Ende bräuchten wir eigentlich ein Black History Year.“

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