14 Jugendliche haben trotz Corona ihre Projektideen für Frankfurt realisiert. Im Instituto Cervantes erläuterten sie den Gästen der Abschlussveranstaltung, was sie mit Hilfe der Stiftung Polytechnische Gesellschaft geschafft haben.

Junge Impulse für die Stadt, Details wollten wir unter der Überschrift Junge Impulse für die Stadt für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mitteilen. Details zu unseren News mit dem Titel Junge Impulse für die Stadt finden Sie in unserem Artikel..

Junge Impulse für die Stadt


  • Judith Gratza

    VonJudith Gratza
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Dass junge Menschen nicht nur Partys im Kopf haben, sondern sich auch mit Klimawandel, Diskrimierung und Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetzen, beweist die achte Generation der Stadtteil-Botschafter in Frankfurt. Jährlich fördert die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Jugendliche, ihre Ideen für Frankfurt zu realisieren.

Magd Rashed war entsetzt, als er sich mit dem Klimawandel beschäftigte und feststellte, wie schlecht es der Erde geht, vor allem wegen des Konsumverhaltens der Menschen. Der 23-Jährige aus dem Jemen begann, mehr Rad zu fahren, weniger Müll zu produzieren – und als Stadtteil-Botschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Menschen in seinem Umfeld zu animieren, regionale Produkte zu kaufen, auf Fleischkonsum zu verzichten und Insektenhotels zu bauen.

„Und heute studiere ich Umwelttechnik statt Medizin“, erzählt er stolz dem Publikum, das am Samstag ins Instituto Cervantes ins Westend gekommen war, um zu erfahren, welche Projekte die aktuellen Stadtteilbotschafter in und für Frankfurt realisieren.

„Es ist eine riesige Freude, euch alle hier live zu erleben, das hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr“, begrüßte Projektleiterin Silja Flach die jungen Botschafterinnen und Botschafter. Dass 80 Gäste ins Instituto gekommen waren, sei das größte Geschenk zum Abschluss der achten Generation. Das einjährige Stipendium, das die Stiftung seit 2007 vergibt, sei massiv durch die Corona-Pandemie geprägt gewesen. „Als Stiftung, die Begegnungen schafft, war dies im ersten Moment eine Horrorvorstellung“, räumt Flach ein. „Wir haben uns gefragt, wer sich unter diesen Bedingungen überhaupt bewerben würde.“

Das Stipendium

Seit 2007 unterstützt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit einem Stipendienprogramm junge Leute, ihre Ideen in Frankfurt umzusetzen. Bisher haben 165 Stadtteil-Botschafter:innen in 130 Projekten den Zusammenhalt in der Frankfurter Stadtteilen gestärkt.

Ende Oktober startet die Bewerbungsphase für das neue Stadtteil-Botschafter-Stipendium 2022/2023 . Anmeldeschluss ist der 15. Januar. Das Stipendienjahr beginnt Ende April 2022. Nähere Informationen unter www.stadtteil-botschafter.de.

Die FR stellt in einer losen Interviewserie die aktuelle Stadtteil-Botschafter-Generation vor. 14 junge Leute im Alter zwischen 14 und 27 Jahren nehmen am Jahrgang 2020/21 teil. dit

14 Jugendliche hatten sich getraut, stürzten sich im August 2020 in ihre Projekte – und wurden durch den harten Lockdown fast ausgebremst. Ihre fachliche Begleitung in Form von Ideenwerkstätten oder Gesprächen mit Mentoren und Mentorinnen der Stiftung fand fast nur digital und telefonisch statt, die Umsetzung der Projekte musste stets den Corona-Beschränkungen angepasst werden. „Sie haben dennoch ihre Chance genutzt“, lobte Flach das Durchhaltevermögen und die Kreativität der jungen Botschafter:innen, die an Ständen über ihr Projekt informierten.

So drehte Abdullah Mohammed einen Film über Diskriminierung statt ein Theaterstück zu inszenieren. Amina El Mousaid leitete per Videosequenzen Schüler:innen in Karate an, damit sie sehbehinderte Kinder trainieren konnten. Annalisa Weyel erklärte auf Instagram, worauf es in Gebärdensprache ankommt, um der Ungerechtigkeit gegenüber Gehörlosen etwas entgegenzusetzen. Clara Hildt klärte in Bockenheim über relevante Gesundheitsthemen auf. Opshori Haque zeichnete mit Kindern im Gallus Comics, in denen sie ihre Pandemieerfahrungen verarbeiten konnten. Und Yasmine Ikradine ging mit ihnen an eine Lärmschutzwand in Nied, um mit Street Art etwas für den Stadtteil und das eigene Ego zu tun.

Lena Sieling bewies mit politischen Workshops an der Carl-Schurz-Schule, dass junge Menschen nicht nur Partys im Kopf haben, sondern sich auch für Nachhaltigkeit und Rassismus interessieren. Nathalie Zimmermann und Jacqueline Bank interviewten Menschen, die etwas zu Frankfurt zu sagen haben. Und Lena Schumacher gibt mit Tim Evers und rund 180 Jugendlichen mittlerweile die vierte Ausgabe ihres „Oldschool Magazin“ heraus: Eine 100-seitige Zeitschrift von jungen Leuten für alle, in einer Auflage von 2000 Stück, ohne festes Redaktionsbüro.

Aber nicht alle Projekte konnten bis zum offiziellen Abschluss Anfang Oktober realisiert werden. So lebt die Idee von Lotte Hardt von Geschichten alter Menschen, die sie als Schatz an andere, vor allem jüngere, weitergeben können. Die Pandemie verhinderte aber bislang, dass die Schülerin in die Pflegeheime gehen konnte. Ähnlich erging es Merline Ahlf, die sich für ein bessere Verständnis von behinderten und nicht behinderten Menschen einsetzen möchte. Oder Benjamin Balcik, der gerade eine Website für den Stadtteil Eschersheim aufbaut.

„Für alle, die nicht fertig wurden, gibt es nun einen Coronabonus bis Ende des Jahres“, sagt Silja Flach. Das Stadtteil-Botschafter-Stipendium ist eine Herzensangelegenheit der Stiftung. „Es ist enorm, mit wie viel Energie und Einfallsreichtum diese jungen Leute hier in der Stadt etwas bewegen wollen“, sagt Vorstandsvorsitzender Roland Kaehlbrandt. Die Stiftung vergibt Stipendien an verschiedene Alters- und Interessensgruppen, die sich für Frankfurt einsetzen wollen. „Die Stadtteil-Botschafter“, so verrät er, „sind mein Lieblingsprojekt.“

Wie man seinen Namen in Gebärdensprache buchstabiert, erläuterte Annalisa Weyel an ihrem Projektstand.

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Wie man seinen Namen in Gebärdensprache buchstabiert, erläuterte Annalisa Weyel an ihrem Projektstand.
Anhand von Fotos und Videos erklärte Amina El Mousaid, wie sie sehbehinderte und nicht sehbehinderte Kinder im gemeinsamen Karatetraining vereinte.

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Anhand von Fotos und Videos erklärte Amina El Mousaid, wie sie sehbehinderte und nicht sehbehinderte Kinder im gemeinsamen Karatetraining vereinte.
Magd Rashed informierte über sein Nachhaltigkeitsprojekt, in dem er unter anderem Käfertunnel und Insektenhotels baut.

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Magd Rashed informierte über sein Nachhaltigkeitsprojekt, in dem er unter anderem Käfertunnel und Insektenhotels baut.

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