Janine Wissler ist eine der Abgeordneten, die sich in den Bundestag verabschieden.

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Hessischer Landtag sortiert sich neu


  • Pitt von Bebenburg

    VonPitt von Bebenburg
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Drei Landtagsabgeordnete wurden nach Berlin gewählt, alle drei nutzen die Gelegenheit für eine letzte Rede. Immerhin: Der Torjäger der Parlaments-Fußballmannschaft bleibt.

Wenn sich Abgeordnete im hessischen Landtag melden, um kritische Zwischenfragen zu stellen, nervt das die meisten Rednerinnen und Redner. „Jetzt nicht“ oder „Tut mir leid, das würde von meiner Redezeit abgehen“, sagen die dann und fahren im vorbereiteten Trott fort.

Der CDU-Abgeordnete Armin Schwarz stellt eine Ausnahme dar. Vielleicht, weil er von Beruf Lehrer ist (Englisch und Sozialkunde) und sich freut, wenn Schülerinnen und Schüler sich am Unterricht beteiligen. Also gestattet der christdemokratische Oberstudienrat a.D. aus Waldeck-Frankenberg häufig Zwischenfragen. Der schneidige Abgeordnete lässt Fragestellerinnen und Fragesteller aber nicht davonkommen, ohne ihnen seine Position einzubläuen. Gerne mit – im wahrsten Sinn des Wortes – erhobenem Zeigefinger.

In dieser Woche hielt der hochgewachsene 58-Jährige nach zehn Jahren seine letzte Rede im Landtag, denn er wurde am Sonntag in den Bundestag gewählt. Schwarz erinnerte daran, wie gerne er sich mit Zwischenfragen auseinandergesetzt hat. „Für mich war dieses Parlament immer auch ein Gedankenaustausch“, stellte Schwarz fest – nicht ohne einzuflechten, dass der Begriff Parlament mit dem Verb „parlare“ (italienisch für „reden“, altfranzösisch „parler“) zusammenhänge.

Für manche Partei hat die Bundestagswahl mehr Licht gebracht, für andere mehr Schatten. Drei hessische Landtagsabgeordnete wurden nach Berlin gewählt, alle drei nutzten in dieser Woche die Gelegenheit für eine letzte Rede. Besonders emotional fielen die Sätze der scheidenden Linken-Fraktionschefin Janine Wissler aus, etwas nüchterner jene des CDU-Abgeordneten Armin Schwarz und des bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführers der FDP-Fraktion, Jürgen Lenders.

Wissler vergaß in ihren Dankesworten niemanden, weder die Pförtnerinnen und Pförtner noch die Beschäftigten im Landtagsrestaurant, weder ihren Fahrer noch die Reinigungskräfte, weder die Stenografinnen und Stenografen noch die Landespressekonferenz und erst recht nicht ihre Fraktionskolleginnen und -kollegen.

FDP-Mann Lenders nutzte seinen Beitrag in einer Debatte über Carsharing, um sich zu verabschieden. „Sollte ich vergessen, dass ich eigentlich von tiefstem Herzen Landespolitiker bin – ich bin sicher, Sie werden mich daran erinnern“, rief der 55-Jährige den anderen Abgeordneten zu.

Der Parlamentsbetrieb sortiert sich wegen der Wechsel neu. Bei der CDU rückt Jan-Wilhelm Pohlmann aus dem nordhessischen Diemelsee nach, bei der FDP die Marburgerin Lisa Deißler und bei den Linken der Frankfurter Kreisvorsitzende Axel Gerntke. Der Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers wurde bei der FDP neu besetzt mit dem Wissenschaftspolitiker Matthias Büger. Die Linke wählt in der nächsten Woche ihre neue Fraktionsspitze.

Ein anderer herausragender Posten muss zum Glück für den Landtag nicht neu besetzt werden: das des Torjägers der Parlaments-Fußballmannschaft. Der Frankfurter Grüne Marcus Bocklet hätte es gerne gegen ein Mandat im Bundestag eingetauscht. Doch sein Platz 10 auf der hessischen Landesliste der Grünen reichte nicht ganz aus. Die Partei schickt lediglich neun Abgeordnete aus Hessen nach Berlin. Nun kann Bocklet Tore schießen statt im Reichstag zu reden. Dafür müsste die Landtagself allerdings ihren wegen Corona ausgesetzten Spielbetrieb wieder aufnehmen.

Auf jeden Fall gibt der hessische Landtag ein leuchtendes Vorbild für den Bundestag ab. Von Sonntag an wird mit einer Lichtershow auf der Fassade des Parlaments in Wiesbaden das 75-jährige Bestehen des Landes Hessen gefeiert. Zehn Tage lang, jeden Abend ab 19.30 Uhr und bei freiem Eintritt. Wer in dieser Woche spät den Landtag verließ, konnte ihn schon zur Probe leuchten sehen. So viel Licht wird in Berlin derzeit nicht geboten.

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