Symphatisch grinsende Geister in Blau.

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Geheimnisvolle Graffiti in Frankfurt: Was es mit diesen rätselhaften Wesen auf sich hat

  • VonSandra Danicke
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Auf Pflaster, Rolltreppen oder Stromkästen – überall in Frankfurts Straßen sind „City Ghosts“ zu entdecken. Ein Gespräch mit ihrem Erfinder, dem Künstler Philipp A. Schäfer.

Wer in Frankfurt unterwegs ist, begegnet überall großen und kleinen gesprayten und gezeichneten Geistern. Seit wann gibt es die eigentlich?

Das hat 1999 angefangen, da habe ich meine ersten Geister gemalt. Die sahen damals noch nicht so schick aus wie jetzt. Irgendwie hat sich das dann verselbstständigt.

„City Ghosts“ auf Frankfurter Straßen: Beliebtes Fotoobjekt für Spazierende

Wieso ausgerechnet Geister?

Anfangs habe ich versucht, mich mit dem klassischen New York Stylewriting anzufreunden. Da denkt man sich einen coolen Namen aus und erfindet krasse Buchstaben, aber ich war damit nie so happy. Irgendwann habe ich gesagt: Scheiß drauf, das können tausend Leute besser als ich. Dann habe ich aus einer Laune heraus mit wenigen Linien einfache Gesichter gemalt. Und daraus sind irgendwann die Geister entstanden. Ich fand es cool, mit möglichst wenigen Strichen möglichst viel Ausdruck hinzubekommen. Das ist eine künstlerische Herausforderung und bis heute mein Anspruch.

Der Frankfurter Künstler

Der Künstler Philipp A. Schäfer stellt auch in Galerien und Museen aus, unter anderem Malerei, Skulpturen
und Objekte. Er gehört zur Frankfurter Street-Art-Szene und hat das preisgekrönte partizipative
Kunstprojekt „Bunte Brücke“ ins Leben gerufen, an dem auch das Frankfurter Kulturamt beteiligt ist.
In FR7 zeigt er lieber seine Kunstgesichter als sein eigenes. Mehr auf: philippalexanderschaefer.de

Mir sind gerade in letzter Zeit viele Menschen begegnet, die ganz verrückt nach den City Ghosts sind und sie überall fotografieren.

Echt? Das freut mich. Ich mache das ja schon relativ lange und es gibt immer Phasen, wo das mehr oder weniger rezipiert wird. Anfangs wurde ich oft belächelt.

Die Graffiti-Geister von Frankfurter Street Art Künstler Philipp A. Schäfer sind bei Kindern extrem beliebt

Weil die Geister so lieb aussehen?

Genau.

Das ist vielleicht der Grund, warum sie bei Kindern extrem beliebt sind.

Neulich habe ich jemanden getroffen, der in einem Kindergarten in Bockenheim arbeitet, und die machen City-Ghost-Walks. Wenn ein Kind einen City Ghost sieht, dann wird das auf einem großen Stadtplan vermerkt mit kleinen Pins, damit die Kinder wissen: Da ist noch ein Geist, den kann ich mal suchen gehen.

Ein gelber rundlicher Geist mit Kopfhörer.

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City Ghosts sehen meistens symphatisch aus.“

Einige der Geister existieren offenbar schon seit vielen Jahren, sie sind richtig verwittert. Normalerweise werden Graffiti doch immer schnell entfernt oder übersprayt.

Das passiert den Geistern auch. Achtzig Prozent sind nach einem Jahr weg. Aber man wird natürlich schlauer und geht dann nur auf die Sachen, von denen man weiß: Da bleibt es am längsten.

Als Familienvater ist mir auch daran gelegen, dass ich nicht mit dem Gesetz in Konflikt komme. Auch vom Karma her möchte ich keiner Privateigentümerin in Frankfurt ans Bein pinkeln. 

Philipp A. Schäfer

Welche Orte sind das?

Die kleinen. Ich bin nicht der Typ, der die größten Sachen auf die Wände setzt. Ich mag es, auf Straßenlaternen zu zeichnen oder auf irgendwelchen kleinen Kanten und Ecken, auf Regenrinnen oder auf die Rückseiten von Straßenschildern. Da stört es keinen. Als Familienvater ist mir auch daran gelegen, dass ich nicht mit dem Gesetz in Konflikt komme. Auch vom Karma her möchte ich keiner Privateigentümerin ans Bein pinkeln. Deswegen versuche ich, nur auf Dinge zu malen, die der Allgemeinheit gehören, allen Menschen, die in der Stadt wohnen. Ich glaube, der Großteil der Frankfurter Bevölkerung hat eine positive Einstellung zu den Geistern.

Ein Geist aus wenigen schwarzen Strichen auf einem heruntergelassenen Rolladen.

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Mit wenigen Strichen viel Ausdruck schaffen.

Wieso gibt es so viele verschiedene Handschriften? Durch Nachahmer?

Es gibt tatsächlich Nachahmer. Ich habe eine Sammlung mit Hunderten von Fotos von Geistern, die ich nicht gemacht habe. Dass es Menschen gibt, die die Geister kopieren, ehrt mich natürlich. Das ist auch so eine Art Alibi für mich. Wenn sich jemand beschweren würde – was bisher nicht passiert ist –, könnte ich immer sagen: Vielleicht war ich das gar nicht. Wenn es so aussieht, als ob das verschiedene Handschriften sind, liegt das aber auch daran, dass die Bilder aus unterschiedlichen Phasen meines Schaffens stammen.

Street Art in Frankfurt: Künstler Philipp A. Schäfer spricht über seine Geister-Graffiti

Malen Sie immer noch Geister?

Ja. Allerdings nicht mehr in dieser Intensität. Ich stelle mir nicht mehr den Wecker um zwei, um irgendwo einen Geist hinzusetzen. Ich bin ein bisschen ruhiger geworden. Wenn, dann mache ich das mit einem Stift. Ab und an zieht es mich auch noch mal an Bahnstrecken raus, aber nur ein bis zweimal im Jahr. Es muss nicht immer der krasseste Ort sein oder das höchste Gebäude. Es ist viel wichtiger, dass das Motiv und die Farbwahl zu dem Ort passen, das macht für mich gute Streetart aus, dass sie an einem bestimmten Ort passt und ihre Wirkkraft nur dort entfaltet. Früher habe ich mir Orte in der ganzen Stadt gesucht, mittlerweile male ich dort, wo ich bin. Meistens sind es auch nur die einfachen Geister mit den weißen Outlines.

Ein Graffiti mit rundlichem Bauch und Sanitäterkappe.

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„Kondome, Birnen, Kartoffeln oder Monster – jeder hat seine eigenen Assoziationen.

Die finde ich besonders charmant.

Vor allen Dingen sind die auch schnell gemacht und passen sich dem jeweiligen Ort an. Das Novum bei denen ist, dass sie schweben. Früher habe ich die nur so gemalt, dass sie unten eine Auflage hatten.

Als ich mal am Lokalbahnhof in Frankfurt die Rolltreppenstufen bemalt habe, bin ich von einer Zivilstreife entdeckt worden. Es gab eine Anzeige und einen Arrest. 

Philipp A. Schäfer

Sind Sie auch mal erwischt worden?

Schon ein paar Mal, aber nie mit den Geistern. Ich male ja auch andere Sachen, viele meiner Arbeiten beschäftigen sich zum Beispiel mit Gullideckeln. Als ich mal am Lokalbahnhof die Rolltreppenstufen bemalt habe, bin ich von einer Zivilstreife entdeckt worden. Es gab eine Anzeige und einen Arrest. Ich musste Reinigungskosten zahlen. Und es gab eine strafrechtliche Anhörung, die zum Glück zu meinen Gunsten ausging.

Ein schlanker Geist auf einem Türrahmen..

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Phillipp A. Schäfer zeichnet gern auf kleine versteckte Flächen.

Übernehmen Sie auch Auftragsarbeiten?

Ja, es treten immer mal wieder Menschen an mich heran, die die Geister toll finden. Für die bemale ich dann Autos, Schlafzimmer oder Hauswände.

Wenn sich jemand darüber ärgert, dass ich sein Garagentor in Frankfurt bemalt habe, kann er mich gerne anrufen und ich male was Schöneres drüber.

Philipp A. Schäfer

Seit wann ist eigentlich bekannt, dass Sie derjenige sind, der die City Ghosts malt?

Je älter ich wurde, desto weniger Lust hatte ich, mich zu verstecken. Das ist ein großer Teil von mir, und ich stehe dazu. Jeder, der möchte, kann mich im Netz finden. Es hatte bisher auch keine negativen Auswirkungen. Wenn sich jemand darüber ärgert, dass ich sein Garagentor bemalt habe, kann er mich gerne anrufen und ich male was Schöneres drüber.

Geister an Frankfurter Stromkästen: Das Werk von Street Art Künstler Philipp A. Schäfer

Stammt der Name City Ghosts von Ihnen?

Nein. Ich hatte nie einen Namen dafür. Um die Jahrtausendwende gab es eine Plattform, die hieß Flickr. Da hatte eine Frau eine City-Ghost-Sammlung online gestellt und nannte sie City Ghosts of Frankfurt. Da ging das los. Es gibt aber auch Leute, die das ganz anders nennen.

City Ghost mit Buchstaben auf einem Stromkasten.

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80 Prozent der Zeichnungen sind nach einem Jahr weg.

Wie denn?

Kondome, Birnen, Kartoffeln oder Monster. Das finde ich cool, dass jeder seine eigenen Assoziationen hat.

Dieses Interview mit Philipp A. Schäfer ist Teil des FR7-Wochenendmagazins der FR. Mehr über Geister, spannende Interviews und Reportagen finden Sie in der aktuellen Wochenendausgabe oder über das FR+ Multimedia-Angebot der Frankfurter Rundschau.

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