Im Fundsachen-Raum warten viele Dinge auf ihre Besitzerinnen und Besitzer.

Fundbüro Frankfurt: Verlorenes und Vergessenes wartet hier auf seinen Besitzer, Details wollten wir unter der Überschrift Fundbüro Frankfurt: Verlorenes und Vergessenes wartet hier auf seinen Besitzer für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mitteilen. Details zu unseren News mit dem Titel Fundbüro Frankfurt: Verlorenes und Vergessenes wartet hier auf seinen Besitzer finden Sie in unserem Artikel..

Fundbüro Frankfurt: Verlorenes und Vergessenes wartet hier auf seinen Besitzer


  • Clemens Dörrenberg

    VonClemens Dörrenberg
    schließen

Verloren oder vergessen: Über 60 Fundsachen landen täglich beim Fundbüro des Hauptbahnhofs. Die Mitarbeiter:innen können so manch kuriose Geschichte erzählen.

Fahrräder, Gepäck, Kaninchen, Ehemänner, Kinderwagen: Beim Fundbüro im Frankfurter Hauptbahnhof landet so einiges, was Reisende beim Aussteigen in Zügen oder an Bahnsteigen liegen und stehen lassen. Auf „60 bis 64 pro Tag“ beziffert Muharem Varka, Leiter des Bahnhofsservice, die Zahl der abgegebenen Fundsachen bei der „Fundstelle“ des Hauptbahnhofs und bezieht sich damit auf mehr als 20 000 Registrierungen vor Corona im Jahr 2019. Die meisten der Gegenstände, deren Daten sofort erfasst werden, seien Koffer, Taschen, Rucksäcke, aber auch Handys und Schlüssel.

Varka, der seit mehr als 20 Jahren am Hauptbahnhof arbeitet, und seine Kolleg:innen haben im Laufe der Jahre einige kuriose Geschichten erlebt, aber dazu später mehr. An einer Theke des Fundbüros, in einem Seitengang der Empfangshalle, können sich Suchende nach ihren vermissten Besitztümern erkundigen, hier kann Gefundenes abgegeben werden.

Neben der Koordination von fast 1000 Schließfächern, die sich auf das gesamte Bahnhofsgebäude verteilen, wird dort auch Gepäck für Passagiere aufbewahrt. Ein dunkelbrauner Koffer für einen Kontrabass, der in einer Ecke stehend ins Auge fällt, sei ein solches „Hinterlegungsgepäck“ und nicht, wie zunächst vermutet, verloren gegangen, erklärt Varka.

Üblicherweise werden Funde, die aus dem gesamten S-Bahn-Netz stammen können, eine Woche lang in Frankfurt aufbewahrt. „Bei der Datenerfassung öffnen wir Gepäckstücke“, sagt der 39-Jährige, um Adressdaten festzustellen und so die Eigentümer:innen kontaktieren zu können. Ist ein Fundstück nicht zuzuordnen, reist es zusammen mit anderen Stücken in einem silbernen Container weiter zur bundesweiten Zentrale der Bahn-Fundstellen nach Wuppertal, berichtet Varkas Kollegin Sarah Kurowsky. Dort werden sie einige Monate eingelagert, weil der Platz in Frankfurt und anderen Städten nicht ausreichen würde.

„Vor Corona waren wir sehr voll“, sagt Kurowsky. Dann gingen die Fahrgastzahlen zu Beginn der Pandemie und im Verlauf des vergangenen Jahres zurück – und damit auch die Zahl der Fundstücke. Die steige aber derzeit wieder, fügt die 22-Jährige hinzu.

Der Keller unter dem Fundbüro steht voller Fahrräder. Rund 300 sind es insgesamt, zusammen mit einem weiteren Lagerort in der Nähe. Vor Corona seien die Drahtesel regelmäßig versteigert worden, berichtet Varka, zuletzt Anfang 2019. Aufgrund der Pandemie gebe es jedoch bis auf weiteres keine Versteigerung.

In einer Ecke stehen zwei Paar Skier. Daneben stauben rund ein Dutzend Rollstühle und Rollatoren sowie mehr als doppelt so viele Kinderwagen vor sich hin. Bahnhofs-Manager Leif-Niklas Wulf berichtet von übereilten Belade-Szenen am Bahnsteig, bei denen entweder das Gepäck samt Kinderwagen oder die Kinder selbst vergessen wurden und schließende Zugtüren die Familienmitglieder trennten. In diesen Fällen helfe die Bahnhofsaufsicht und führe die Familien wieder zusammen. Auch ein zwischen die Sitze gerutschter Ehering sei seinem Besitzer schon hinterhergefahren worden.

Muharem Varka erzählt: „Einmal hat eine Frau gefragt, ob ihr Mann abgegeben wurde.“ Kurze Zeit später habe sich der Gesuchte dann tatsächlich beim Fundbüro gemeldet. Mitarbeiter Kadir Türüt, der häufig am Empfang sitzt, sagt, es gebe „jeden Tag Highlights“. Vor Freude würden „manche mit den Tränen kämpfen“, wenn sie ihr Eigentum zurück hätten, berichtet der 38-Jährige und fügt hinzu: „Ein Touristen-Paar aus Fernost wollte gleich noch ein Erinnerungsfoto mit uns machen, als es sein verlorenes Handy wieder hatte.“

Gesetzlich geregelten Finderlohn gebe es übrigens auch, verrät Varka, je nachdem, wie hoch der ermittelte Wert der Fundsache sei. „Ab einem Wert von 50 bis 500 Euro gibt es 2,5 Prozent“, berichtet Varka.

Täglich würden Gegenstände abgeholt und gegen Gebühr auch verschickt, sagt er. Um das eige-ne Fahrrad zurückzubekommen, benötigten die Mitarbeitenden der Fundstelle eine möglichst „gute Beschreibung“ und idealerweise die „Rahmen-Nummer“. Auf der Internetseite der Bahn könne eine „Verlust-Meldung“ verlorener Gegenstände erstellt werden.

Zu den kuriosesten Funden zählten Tiere. Mitarbeiterin Angelika Krause berichtet, dass sie einmal eine Reisetasche mit einem Käfig und zwei Mäusen darin angenommen habe und „zum Glück“ gleich wieder an die Besitzerin habe weiterreichen können. Vor etwa 15 Jahren habe ein Zugführer der S6 nach Friedberg angerufen und gebeten, „ein lebendes Tier abzuholen“, berichtet ihr Chef. Es war ein Kaninchen, das Varka in einem Käfig in Empfang nahm. Als er zum Fundbüro zurückgekehrt sei, habe dort bereits eine Mutter mit ihrem weinenden Kind auf das vergessene Haustier gewartet.

„Die Rückholrate bei den Fundsachen liegt bei schätzungsweise 60 bis 70 Prozent“, sagt Varka. Was nach unterschiedlich langen Aufbewahrungsfristen nicht abgeholt wurde, komme etwa bei Kofferversteigerungen des zentralen Fundbüros in Wuppertal unter den Hammer oder werde entsorgt.

Ein weiteres Rad wird in den Keller gebracht.

+

Ein weiteres Rad wird in den Keller gebracht.
Fahrräder gibt es hier schon zuhauf.

+

Fahrräder gibt es hier schon zuhauf.
Ein aufgebrochenes Schließfach - ob das jemals jemand abholen wird?

+

Ein aufgebrochenes Schließfach – ob das jemals jemand abholen wird?
Kinderwagen, die vergessen wurden - vielleicht in der Hektik des Einsteigens.

+

Kinderwagen, die vergessen wurden – vielleicht in der Hektik des Einsteigens.

Bir cevap yazın