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Frankfurt: Mann tötete, uminhaftiert zu werden


  • Stefan Behr

    VonStefan Behr
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Prozessauftakt am Landgericht Frankfurt gegen einen schizophrenen 43-Jährigen, der zum Mörder wurde, weil er in den Knast wollte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Rafal O. am 26. Januar dieses Jahres glaubte, „Menschen töten zu müssen, um seinen Wunsch, inhaftiert zu werden, zu verwirklichen“. Da liegt es nahe, dass der 43 Jahre alte, an paranoider Schizophrenie leidende Pole als vermutlich nicht schuldfähig gilt – und es bei dem Prozess, der am Donnerstagnachmittag am Landgericht beginnt, nicht um eine Haftstrafe, sondern um eine dauerhafte Unterbringung des Beschuldigten in der Psychiatrie geht. Beschuldigt wird er des Mordes, des zweifachen versuchten Mordes sowie versuchten Totschlags.

Am Morgen des Tattags macht sich der gelernte Tischler, der damals noch in Langen wohnt, laut Antragsschrift mit wirren Mordplänen auf den Weg ins Frankfurter Bahnhofsviertel. Auf dem Pflaster der Niddastraße schläft ein 40 Jahre alter Obdachloser. Es ist gegen 9 Uhr, als O. ihn mit Tritten in den Rücken weckt und auf Polnisch auf ihn einredet. Der Geweckte versteht kein Wort und bittet O., sich schnellstmöglich zu „verpissen“, dieser zückt ein Messer mit einer Klingenlänge von 21 Zentimetern und sticht mit den nun verständlichen Sätzen „Du sollst sterben! Ich bring’ dich um!“ auf sein Opfer ein. Ein Stich trifft die Schulter, der Verletzte greift mit beiden Händen die Klinge und verhindert so weitere Stiche, ein bis heute Unbekannter tritt hinzu und sprüht O. Pfefferspray ins Gesicht. Diesen Moment nutzt der Obdachlose zur Flucht.

O. zieht weiter. Sein nächstes Opfer ist ein 78 Jahre alter Mann. O. rammt ihm das Messer in Brust und Bauch und verletzt mehrere Organe. Am 10. Februar wird der Mann in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erliegen.

Das dritte Opfer, ein 24-Jähriger, sieht am Karlsplatz den bereits blutverschmierten O. von hinten kommen, ahnt Übles, macht im letzten Moment ein Hohlkreuz, das dafür sorgt, dass er mit einer oberflächlichen Verletzung am Rücken davonkommt. Seine Verletzungen können als einzige ambulant behandelt werden. Schwerer erwischt es den 40-Jährigen, der gerade aus einem Hotel auscheckt und an seinem Auto eine Zigarette raucht. O. rammt ihm das Messer in den Bauch, auch hier werden innere Organe verletzt.

Dass in einem Fall nur versuchter Totschlag angeklagt ist, liegt daran, dass O. den Obdachlosen wachgetreten hatte, ehe er versuchte, ihn umzubringen. Dieser war sich des Angriffs bewusst und somit nicht mehr arg- und wehrlos, weshalb das Mordmerkmal der Heimtücke entfällt.

Am ersten Verhandlungstag wurde lediglich die Antragsschrift verlesen. Bereits am heutigen Freitag geht es weiter. Insgesamt hat die 21. Große Strafkammer vier Verhandlungstage bis zum 8. Dezember angesetzt. Inhaftiert ist O. derzeit gewissermaßen – in einer Gießener Außenstelle der geschlossenen Psychiatrie in Haina.

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