Die Tage der vierstämmigen Kastanie am Kameruner Rosengärtchen im Europaviertel sind gezählt.

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Frankfurt: Kampf um zwei Bäume


  • Thomas Stillbauer

    VonThomas Stillbauer
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Ein Neubau zwischen Gallus und Europaviertel verdrängt Grün. Am Freitag sollen die Bäume fallen. Anwohner protestieren.

Frankfurt – An diesem Freitag (1.10.2021) zeigt sich einer der großen städtischen Konflikte unserer Zeit. An der Grenze zwischen Gallus und Europaviertel heißt es: Pflanzen oder Steine? Baum oder Bauen?

Es steht kein Wald auf dem Spiel, es geht um zwei Bäume, und die Sache ist entschieden – zum Ärger von Antje Ries und weiteren Anwohner:innen. Sie kämpfen seit Januar um die Bäume zwischen Kameruner Rosengärtchen und Altenhainer Straße. 175 Personen unterschrieben eine Petition. „Und gestern erfahre ich, dass die Bäume schon am Freitag gefällt werden“, sagt Ries enttäuscht. Auf dem Grundstück plant die ABG Frankfurt Holding ein Haus mit 18 Wohneinheiten und einer Kindertagesstätte. Eine 37 Jahre alte Kastanie und eine 42-jährige Vogelkirsche, die neben dem Areal stehen, sollen laut Parlamentsbeschluss weichen. Die Vorlage ging durch Ortsbeirat und mehrere Ausschüsse.

Frankfurt: Kein Platz für Wurzeln

Antje Ries war regelmäßig dabei, diskutierte, erläuterte, machte Vorschläge: Warum nicht die Freifläche, die für die Kita geplant ist, an jene Stelle planen, die an die Bäume grenzt? Dann könnten sie bleiben, und ihre Wurzeln würden nicht durch den vorgesehenen Keller gestört. Der fehlende Platz für die Wurzeln ist eines der Probleme, die die Planer für die Bäume sehen. Das zweite: Die Andienung der Baustelle mache einen starken Rückschnitt nötig. Beides werde die Kastanie nicht überleben.

Die Probleme gebe es, weil zur ursprünglich geplanten Kita die Wohnungen hinzugekommen seien, sagt Antje Ries. Dem widerspricht ABG-Geschäftsführer Frank Junker. „Auch für die Kita hätten die Bäume gefällt werden müssen, sonst kann ich da nicht bauen.“ Die Planung hätten Stadt, ABG und Kita-Betreiber so beschlossen. „Ich überlege lieber zehnmal, ehe ich einen Baum fälle, aber hier war es nicht anders möglich.“

Frankfurt: Es gibt noch Chancen, das Grün zu retten

Ries bleibt dabei: Anscheinend habe niemand ein ernsthaftes Interesse an dem Versuch, das Grundstück so zu beplanen, dass die Bäume daneben stehen bleiben könnten, „was ich sehr schade und bezeichnend finde“.

Rüdiger Hansen vom BUND bemängelt, dass der Grundsatz „Vom Grün her planen“ immer noch nicht beachtet werde. „Und das, obwohl der Bevölkerungszuwachs, der vor Jahren prognostiziert wurde, gar nicht kommt“, sagt er. „Von diesem Wachstum blind auszugehen, ist schädlich für die Stadt. Es kann so nicht weitergehen.“ Chancen, das Grün noch zu retten, sieht Hansen durchaus. „Solange die Säge nicht am Baum ist, kann man es noch verhindern.“ Am Freitag werde es jedenfalls Protest geben: „Von der Widerstandsseite werden einige Leute da stehen.“ (Thomas Stillbauer)

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