Frustrierter Abgang: In Mannheim versagte die Eintracht nahezu im Kollektiv - wird es am Samstag gegen Dortmund besser?

Eintracht Frankfurt: Die Lehren des Scheiterns, Details wollten wir unter der Überschrift Eintracht Frankfurt: Die Lehren des Scheiterns für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mitteilen. Details zu unseren News mit dem Titel Eintracht Frankfurt: Die Lehren des Scheiterns finden Sie in unserem Artikel..

Eintracht Frankfurt: Die Lehren des Scheiterns


  • Daniel Schmitt

    VonDaniel Schmitt
    schließen

Nach der Pokal-Blamage sollte Eintracht Frankfurt nicht in Panik verfallen, aber an einigen Stellen nachbessern

In seiner Analyse des blamablen Pokal-Ausscheidens bei Waldhof Mannheim war Oliver Glasner sehr klar. Der Trainer von Eintracht Frankfurt kritisierte seine Mannschaft deutlich und inhaltlich treffend, ohne sie zu diesem sehr, sehr frühen Zeitpunkt der Zusammenarbeit, da die Bundesligarunde ja erst in den Startlöchern steht, gleich auszuzählen. Das wäre aus Sicht des Fußballlehrers trotz des bitteren 0:2 auch unsinnig gewesen. Glasner traf den richtigen Ton und fand ein vernünftiges Maß.

Ein paar Auszüge der vorgetragenen Mängelliste: „Wir hatten anfangs im Spiel zu viel Kontrolle, zu viele Kontakte mit dem Ball am Fuß, dafür aber zu wenig Dynamik und zu wenige Spieler im Strafraum.“ Und weiter: „Später nach dem Rückstand wollten wir mit dem Kopf durch die Wand.“ Gerade bei den Gegentoren habe sich seine Elf „zu billig abkochen“ lassen vom Außenseiter. Alles in allem aber schränkte der 46-Jährige ein, „hat solch ein Spiel im Pokal wohl fast jeder Trainer schon einmal erlebt.“ Sprich: Einen Außenseiter, der alles reinwirft und sich in einen Rausch rackert und einen Favoriten, der nicht ans Optimum geht und irgendwann die Geduld verliert. Sollte nicht passieren, gibt’s in der Tat aber immer wieder. Sorgen, so Glasner, mache er sich mit Blick auf die ganze Saison deshalb keine.

Aus neutraler Sicht hätte die Pflichtspielpremiere des Nachfolgers von Adi Hütter dagegen kaum mieser verlaufen können. Die Eintracht verteidigte schlecht und griff ebenso schlecht an. Die Neuzugänge blieben vieles, teilweise fast alles schuldig, und manch arrivierter Profi offenbarte ähnliche Probleme wie beim Absturz in den schwachen Wochen direkt vor der Sommerpause.

Vor allem die löchrige Defensive erstaunte, legte Glasner doch zeit seiner Ankunft auf die Abwehrarbeit den Fokus. Die Fülle an Gegentoren wollte und will er nach unten schrauben. Mit zehn Gegentreffer in bisher sechs Glasner-Spielen ist das noch nicht gelungen, nur im Testkick gegen Sandhausen hielt die Eintracht hinten die Null. Und in Mannheim waren die Frankfurter mit dem 0.2 im Grunde noch gut bedient. „Das darf nicht passieren – vor allem nicht auf diese Art und Weise. Das weiß jeder“, sagte Torwart Kevin Trapp. Er war damit auf einer Linie mit seinem Chef. Glasner fand zwar, dass die Restverteidigung, also die Absicherung bei eigenen Angriffen, die größter Trainingsschwerpunkt war, eigentlich gut gewesen sei, die Umsetzung stufte er aber als „mangelhaft“ ein. Gemeint ist die Zweikampfführung, die Basics, wie es der Trainer nannte. Der sonst meist stabile Martin Hinteregger erwischte eine Larifari-Start in die Runde, ebenso der schon in den vorherigen Testspielen mitunter schwächelnde Tuta.

Gerade der Brasilianer muss sich schnell steigern, will er seinen Stammplatz nicht verlieren. Bereits für das Samstagsspiel bei Borussia Dortmund (18.30 Uhr) mutet der erfahrene Stefan Ilsanker als sicherere Lösung für diesen Posten an. Wohlgemerkt: Auch Ilsanker verkörpert auf Dauer keine gehobene Bundesliga-Qualität, ebenso wie die anderen Alternativen Timothy Chandler und Almamy Touré. Grundsätzlich, das ist klar, bringt Tuta die besten Fähigkeiten dieses Quartetts mit. Sollte die Eintracht also hinten noch mal personell nachbessern? Ganz abwegig ist der Gedanke nicht. Einerseits. Andererseits ist das alles auch eine Frage des Geldes und der Prioritätsetzung bei der weiteren Kaderzusammenstellung. Glasner stützt den jungen Tuta – nachvollziehbar und sinnvoll: „Wir werden den Spielern Möglichkeiten aufzeigen, wie sie es besser machen können. Von daher wird das bei Tuta genauso sein.“

Was zur nächsten Problemzone führt, der Besetzung des offensiveren Parts auf der rechten Seite. Dort konnte Rückkehrer Danny da Costa nicht an seine stabilen Form im Trikot von Mainz 05 anknüpfen. Er rannte sich zu oft fest, verlor zu viele Bälle, wirkte in der Rückwärtsbewegung unsicher. Selbstverständlich: Da Costa kann mehr, viel mehr, er steht bei Glasner ohnehin hoch im Kurs, sollte dieses Vertrauen aber alsbald zurückzahlen. Die letztjährige Stammkraft Erik Durm, diesmal Ersatzmann, ist natürlich eine weitere Option auf rechts, im ligaweiten Vergleich aber gibt es ebenfalls gewiss bessere Leute.

Heißt im Umkehrschluss: Noch immer ist kein adäquater Gegenpart zum herausragenden Linksaußen Filip Kostic, dessen Pokalvertreter Christopher Lenz vollends enttäuschte, gefunden worden. Oder könnte tatsächlich Jens Petter Hauge diese Rolle einnehmen? Über genügend Offensivpotenzial für den rechten Flügel verfügt der 21-Jährige allemal. Bei der Eintracht sind sie sich sicher, mit dem stürmenden Norweger einen Klassemann für sich gewonnen zu haben.

Aber ist dieser auch dafür geeignet, die defensiven Aufgaben auf dem Flügel alleine zu erfüllen? Und wären nicht zwei stürmisch ausgerichtete Flankenspieler, also Kostic und Hauge, des Guten einer zu viel? Vermutlich, solch eine Ausrichtung wäre zumindest sehr gewagt, überaus angriffsfreudig, was eher nicht zu den bisher geäußerten Ideen von Trainer Glasner passt.

Stichwort Angriff: Während der Coach im offensiven Mittelfeld aus einer Reihe von Spielern wählen kann (Lindström, Younes, Kamada, Barkok, bald Hauge) fehlen Alternativen im Sturmzentrum. Wenn der Eindruck von Mannheim nicht täuscht, wird Rafael Borré die durch den Abgang von André Silva entstandene Riesenlücke nicht alleine schließen können – was auch zu viel von ihm erwartet wäre. Der kleine Mann als Solist gegen die großen Hünenverteidiger der Liga, puh, das wird schwer. Derzeit herrscht in der Offensive eine offensichtliche Unwucht im Kader, es gibt viele Wirbler, Dribbler und Sprinter, aber wenige Abschlussspieler. Goncalo Paciencia und Ragnar Ache, neben Borré die weiteren Zentrumsstürmer, genügen kaum den allerhöchsten Ansprüchen. Ein neuer Mittelstürmer stünde der Eintracht gut zu Gesicht.

Es wäre natürlich Unsinn, nach nur einer Niederlage nun jedwede Überzeugungen über den Haufen zu werfen, ebenso wie die Alarmsignale von Mannheim zu überhören. Keine Panik, aber Vorsicht. „Wir wissen, was wir verbessern müssen“, sagte Sportvorstand Markus Krösche und sprach auch von einem „Entwicklungsprozess“. Diesen muss Oliver Glasner möglichst schnell voranbringen. Den auf ihm und dem Team lastenden Druck hat die Eintracht jedenfalls schon mal selbstverschuldet und völlig unnötig in die Höhe getrieben.

Bir cevap yazın