Gemeinsames Warmklatschen: Die Eintracht fünf Tage vor dem Pokalauftakt.

Ein stabiles Gerüst, Details wollten wir unter der Überschrift Ein stabiles Gerüst für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mitteilen. Details zu unseren News mit dem Titel Ein stabiles Gerüst finden Sie in unserem Artikel..

Ein stabiles Gerüst


  • Daniel Schmitt

    VonDaniel Schmitt
    schließen

Eintracht Frankfurt fühlt sich gewappnet für den Auftakt, obwohl am Kader noch gefeilt wird. Was passiert mit Amin Younes?

Die beiden Toptalente, so werden sie ja nicht nur von Fans und Medien, sondern auch vom Verein selbst gerne betitelt, gierten auf ihren großen Moment, auf ihren ersten Einsatz vor Frankfurter Fußballfans, und dann auch noch in der riesigen Arena im Stadtwald. Ja, das wollten sie unbedingt erleben. Sie machten sich warm seitlich hinter dem Kasten von Eintracht-Torwart Kevin Trapp. Anfangs intensiv, umgeben von den Kollegen, später dann, nach etlichen Spielerwechseln, eher halbherzig und für sich alleine. Da standen sie also fünf Minuten vor dem Abpfiff des finalen Testkicks der Vorbereitung gegen Saint-Étienne, die Jungprofis Ali Akman und Fabio Blanco, und schauten sehnsüchtig dem Treiben auf dem Rasen zu. Längst wird es ihnen da gedämmert haben, dass es diesmal (noch) nichts werden würde mit dem großen Moment vorm Frankfurter Publikum. Oliver Glasner, der Eintracht-Trainer, wechselte lieber zehn andere Spieler ein.

Natürlich benötigen Akman, 19 Jahre alt, und Blanco, 17, noch Geduld, auch Zeit zur Entwicklung, das wird von Vereinsseite ja stets betont und ist absolut nachvollziehbar. Sie werden daher am Sonntag in der ersten DFB-Pokalrunde beim SV Waldhof Mannheim und vor allem eine Woche darauf beim schwierigen Bundesligaauftakt in Dortmund keine gewichtigen Rollen einnehmen, wenn überhaupt irgendwelche. Sie stehen noch am Anfang ihrer Ausbildung – Toptalente hin, Toptalente her. Andere, ältere Profis liegen in der Gunst des Trainers vorne. Oliver Glasner sagt mit Blick auf seinen üppig gefüllten Kader: „Ich bin froh, dass ich auf vielen Positionen die Qual der Wahl habe.“ Freilich sind die Hessen gerade dabei, noch Spieler abzugeben, die jungen Rodrigo Zalazar, Dejan Joveljic und Nils Stendera zum Beispiel, oder auch gerne den bundesligaerprobten Goncalo Paciencia.

Fünf Tage vor dem Pflichtspielstart in Mannheim steht das Gerüst der Eintracht-Mannschaft, es ist ein stabiles. Angefangen mit Kevin Trapp im Tor, vor ihm verteidigend in einer Dreierreihe die aus der vergangenen Rückrunde bewährten Tuta, Martin Hinteregger und Evan Ndicka. In der Defensive gibt es wenig Anlass zu Experimenten.

Kniffliger wird es für Coach Glasner im Mittelfeld, wenngleich er dort offenbar favorisierte Lösungen gefunden hat. Im Zentrum dürften gegen den SV Waldhof der Altmeister Makoto Hasebe und der EM-Fahrer Djibril Sow das Spiel orchestrieren. Der gerade zum Kapitän auserkorene Sebastian Rode ist nach einer verletzungsbedingt sehr durchwachsenen Vorbereitung vorerst hintendran. Zudem: Ajdin Hrustic, die Überraschung der bisherigen fünf Wochen unter Glasner, sitzt daheim in Corona-Quarantäne.

Gerade Sow, der am Samstag erstmals im Einsatz war nach seiner Rückkehr aus dem Sommerurlaub, präsentiert sich in prächtiger Form. Als „fantastisch“ stufte Glasner dessen Leistung gegen die Franzosen ein. Ohnehin passt der laufstarke und einigermaßen schnelle Zentrumsspieler zum auf Laufstärke und Schnelligkeit basierenden Spielstil des Fußballlehrers. Logisch irgendwie. Auf dem rechten Flügel wird derweil sehr sicher Danny da Costa auflaufen, der Rückkehrer hat das Duell gegen die letztjährige Stammkraft Erik Durm vorerst für sich entschieden, auf links darf Neuzugang Christopher Lenz den in Mannheim letztmals im DFB-Pokal gesperrten Filip Kostic vertreten.

Komplex wird es bei der Abteilung Attacke: Dort haben Daichi Kamada als Zulieferer und der gut ins Eintracht-Abenteuer gestartete Neuzugang Rafael Borré als Abnehmer ihre Plätze zurzeit sicher. Zudem scheint Aymen Barkok trotz wechselhafter Leistungen bei Glasner gute Karten auf Startelfeinsätze zu haben. Neuzugang Jesper Lindström, zuletzt angeschlagen, und Amin Younes, zuletzt aufmüpfig, werden sich vorerst wohl gedulden müssen.

Klar bleibt aber: Vorne wird sich personell in den kommenden Tagen und Wochen noch etwas tun. Wichtigstes Transferziel der Eintracht bleibt ein großgewachsener Mittelstürmer. In Portugal ploppte nun die dazu passende Meldung auf, wonach Stürmer Carlos Vinicius, 26, von Benfica Lissabon ein Kandidat für eine Leihe zu den Hessen sei. Vergangene Saison war der Brasilianer an Tottenham Hotspur in der Premier League ausgeliehen und erzielte als Ersatzmann von Harry Kane zehn Tore in 22 Einsätzen. Der 1,90-Meter-Brocken gehört der Berateragentur Gestifute an, die auch den Frankfurter Ex-Knipser André Silva auf dessen Karriereweg begleitet.

Derweil ist laut Sky auch ein weiterer, möglicher Abnehmer für Amin Younes aufgetaucht, obwohl der noch per Leihe für die aktuelle Saison an die Eintracht gebunden ist und per Vertragsoption (2,5 Millionen Euro) anschließend fest verpflichtet werden kann. Demnach zieht es den deutschen Nationalspieler nicht wie unlängst berichtet nach Dubai, sondern nach Saudi-Arabien. Younes soll sich bei den Eintracht-Bossen mit seiner Forderung nach deutlich mehr Gehalt für Unmut gesorgt haben. Als möglicher Ersatzmann gilt weiterhin der offensiv flexibel einsetzbare Norweger Jens Petter Hauge vom AC Mailand.

Kurzum: Ein stabiles Gerüst ist vorhanden, weitere Stützen werden noch dazukommen.

Kommentar