Späte Tore sind seine Spezialität: Goncalo Paciencia.

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Der Spätzünder der Eintracht


  • Thomas Kilchenstein

    VonThomas Kilchenstein
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Goncalo Paciencia trifft am Ende und übertüncht damit ein grundsätzliches Stürmerproblem.

Es ist eine besondere Qualität von Goncalo Paciencia, nicht viel Anlaufzeit zu brauchen. Der Mann ist da, wenn er benötigt wird, selbst wenn nur noch ein paar Minuten zu spielen sind, aber die reichen dem Knipser aus Porto in aller Regel aus, um Duftmarken zu hinterlassen. Am kalten Donnerstagabend lief schon die 90. Minute, als Paciencia beim Stand von 1:2 in die ziemlich verfahrene Partie kam. Seine erste Aktion: Ein hartes Kopfballduell mit Antwerpens Abwehrchef, dem glatzköpfigen Riesen Dorian Dessoleil, der knapp 1,90-Mann ging mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Zweite Aktion: Eine mal wieder fein geschlagene Flanke von Filip Kostic köpfte der Frankfurter Stürmer wunderschön ins lange Eck, 2:2, die drohende Niederlage war in letzter Sekunde verhindert. „Fantastisch“, schwärmte später Trainer Oliver Glasner über diesen sehr späten, aber wichtigen Treffer.

Tatsächlich war es „ein richtig schwerer Kopfball“, wie der Coach weiter ausführte. Paciencia, halb mit dem Rücken zum Tor stehend, musste den Ball in die weit entferne Ecke bugsieren, er senkte sich perfekt ins Netz. So einen Ball zu verwandeln können nicht viele, Paciencia kann es, eine weitere Qualität des 27 Jahre alten Portugiesen ist just dieses Kopfballspiel. Der Eintracht hat er damit manche Punkte und Treffer geschenkt, erinnert sei an jenes zum 2:4 in der famosen Europa-League-Saison bei Benfica Lissabon. Der Ausgleich gegen Antwerpen war schon der zweite Treffer in der Nachspielzeit für Paciencia, auch im Hinspiel in Belgien traf er entscheidend, auch da (per Elfmeter) unmittelbar vor Ende, auch da war er erst Augenblicke zuvor eingewechselt worden.

Kaum Personal in der Box

Und Paciencia war gerade erst aus einer muskulären Verletzung gekommen, vier Wochen ist das her, in dieser Woche war er erst ins Training eingestiegen, hatte nur dreimal mit den Kollegen geübt. „Ich bin glücklich, der Mannschaft zu helfen“, sagte der Angreifer hinterher. Auf ihn kann die Eintracht in ihrer momentanen Situation nur schwer verzichten. Das sagt einiges aus über den Zustand den anderen Stürmer: Goncalo Paciencia weiß, wo ein Knipser zu stehen hat.

Das kann man von unglücklichen Sam Lammers nun beim besten Willen nicht behaupten. Auch in dieser entscheidenden Szene war der Niederländer nicht im Bilde, die Flanke wäre über ihn hinweg gesegelt, und nur die wenigsten hätten ihm zugetraut, dieses Tor zu machen. Ohnehin hat Lammers bei seinem 20-Minuten-Auftritt erneut keine Pluspunkte sammeln können. Schon drei Minuten nach seiner Einwechslung hat er Gegenspieler Ritchie de Laet nicht am vermeintlichen 1:2 gehindert, wie es seine Aufgabe gewesen wäre. Selbst Glasner deckelte Lammers: „Es ärgert mich, dass wir hinten den Laufweg nicht machen“, sagte er und meinte damit explizit seinen Stürmer.

Nein, mit dem Angriffsspiel bei Eintracht Frankfurt ist der Trainer nicht zufrieden. Auch Rafael Borré ist bei allem Fleiß und Einsatz noch nicht der Durchbruch gelungen. Dieses Offensivspiel zu verbessern hat sich Glasner auf die Fahnen geschrieben, eine Herkulesaufgabe. Das Grundmanko, neben einer gewissen Harmlosigkeit der Angreifer, ist, „zu wenig Personal im Strafraum“ zu haben, dazu mangelt es an Zielstrebigkeit, wird „versucht, noch eine bessere Anspielstation zu finden, auch wenn keine da ist“, wie Glasner krittelte. „Wer nicht schießt, kann kein Tor erzielen“, lautet die alte Weisheit. Auch Jesper Lindström, Jens Petter Hauge oder gar Ragnar Ache wirken viel zu bieder, vielleicht naiv, auf jeden Fall verbreiten sie beim Gegner weder Angst noch Schrecken. Gut, dass es bei Eintracht Frankfurt Spätzünder gibt. Sich darauf zu verlassen, ist aber heikel.

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