Martin Faas, der Direktor des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, ist auch Kurator der neuen Liebermann-Ausstellung.

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Darmstadt: Faszination für den Netzwerker Max Liebermann


  • Jens Joachim

    VonJens Joachim
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Martin Faas, der Direktor des Hessischen Landesmuseums Darmstadt, präsentiert den Maler Max Liebermann in einer neuen Ausstellung als europäischen Künstler von Weltrang.

Alles hat seine Zeit. Für Martin Faass, der seit 2019 das Hessische Landesmuseum Darmstadt leitet, ist die Zeit gekommen, „ein persönliches Resümee“ über einen Künstler zu ziehen, mit dem er sich schon lange sehr intensiv beschäftigt hat.

Zwölf Jahre lang, von 2006 bis 2018, war Faass Direktor der Liebermann-Villa am Berliner Wannsee. Heute ist das ehemalige Sommerhaus des 1847 geborenen Malers Max Liebermann, der 1935 in seiner Geburtsstadt Berlin starb, ein besonderer Ort, der mit einem Kunstmuseum und dem denkmalgeschützten Garten an die Geschichte der Familie Liebermann erinnert.

Der 1963 in Karlsruhe geborene Kunsthistoriker Faass, der in Marburg und Berlin Kunstgeschichte und Germanistik studierte und 1998 mit einer Arbeit über Lyonel Feininger promovierte, hat während seiner Zeit in Berlin etliche Ausstellungen über Liebermann kuratiert und über das facettenreiche Leben des Impressionisten mehrere Bücher und Beiträge verfasst.

Nun ist für ihn der Moment gekommen, an seiner jetzigen Wirkungsstätte am Darmstädter Friedensplatz Liebermann als „europäischen Künstler“ von Weltrang zu präsentieren. Die ersten drei Worte der Schau „Ich. Max Liebermann“ sollen zugleich den selbstbewussten Anspruch des Malers und Grafikers zum Ausdruck bringen, der finanziell abgesichert durch ein geerbtes Millionenvermögen auch keine Scheu hatte, Kaiser Wilhelm II., unter dessen Einfluss reaktionäre Tendenzen in der Kulturpolitik deutlich zunahmen, Paroli zu bieten.

Faass sagt, er habe sich während der Zeit in der Liebermann-Villa über das Werk des Künstlers auch ein Verständnis für die damaligen Verhältnisse etwa im Kaiserreich erschlossen. In gewisser Weise komme diese Phase für ihn mit der neuen Präsentation nun zu einem Abschluss.

Die Ausstellung im Landesmuseum in Darmstadt führe daher „ganz vieles zusammen“, wenngleich es für ihn „kein Schlussstrich“ sei, sich mit Liebermann zu beschäftigen. Dessen Leben und Werk sowie seine verschiedenen Bezüge etwa zu anderen europäischen Künstlern hielten noch „so viele interessante Facetten“ parat, die es gelte, „mit neuen Augen zu erkunden“, meint Faass.

Ausstellung

„Ich. Max Liebermann – Ein europäischer Künstler“ lautet der Titel der neuen Ausstellung, die am kommenden Donnerstag, 7. Oktober, eröffnet wird und dann bis zum Sonntag, 9. Januar, im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1, gezeigt wird.

Geöffnet ist das Museum dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr und samstags sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. jjo

www.hlmd.de

In der vergangenen Woche nahm die Ausstellung im großen Saal des Landesmuseums bereits Gestalt an. Insgesamt werden in der Schau mehr als hundert Gemälde auch von anderen bekannten Künstler wie etwa von Claude Monet zu sehen sein.

Am vorigen Donnerstag konnte unter den wachsamen Augen des Museumsdirektors und Ausstellungskurators auch das berühmte Liebermann-Gemälde „Der Papageienmann“ an seinen finalen Platz gehängt werden. Es entstand 1902 und zeigt einen Vogelwärter im Amsterdamer Zoo. Das Gemälde, sagt Faass, sei „eines von vielen Publikumshighlights der Schau“.

Der Ausstellungsmacher, Wissenschaftler und Liebermann-Experte hat während und auch nach seinem Wirken in Berlin intensive Kontakte zu Sammlerinnen und Sammlern sowie Leihgeberinnen und Leihgebern geknüpft und gepflegt. Faass freut sich sehr, dass „durch großartige Leihgaben, die aus ganz Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden nach Darmstadt kommen, mit dieser Schau etwas ganz Besonderes gelungen ist“.

Ende der vorigen Woche wurden die Wände im Ausstellungssaal nach und nach mit den in speziellen Transportkisten angelieferten Werken bestückt. Und während Faass Fragen beantwortete und für Fotoaufnahmen posierte, stand an einer Wand etwa das Gemälde „Der Waldweg“ aus dem Jahr 1865 von Claude Monet auf kleinen Styroporklötzchen und wartete darauf, an seinen Platz gehängt zu werden.

Was die Darmstädter Ausstellung so besonders und kostbar mache, sei nicht allein die Vielzahl der gezeigten Werke, sondern die hohe Qualität, die sich in ihren Exponaten manifestiere, sagt Faass. Die ausgeliehenen Werke stammen aus der Nationalgalerie in Berlin, dem Musée d’Orsay in Paris, dem Kunstmuseum Den Haag, aus dem Teylers Museum in Amsterdam, dem Musée des Beaux-Art in Dijon sowie aus der Kunststiftung Kurt und Barbara Alten in Ascona. Zudem sind aus zahlreichen deutschen Sammlungen Gemälde nach Darmstadt transportiert worden.

Die Ausstellung ist als Kooperationsprojekt mit dem Kunstpalast Düsseldorf entstanden. Zusammen mit Kunstpalast-Generaldirektor Felix Krämer hat Faass bereits im Jahr 2005 die Ausstellung „Seestücke – Von Caspar David Friedrich bis Emil Nolde“ in der Hamburger Kunsthalle kuratiert.

Zum Konzept der aktuellen Schau sagt Faass, er wolle Liebermann, der als „Arme-Leute-Maler“ bekannt geworden sei, als „treibende Kraft“ der deutschen Kunstszene des 19. Jahrhunderts präsentieren, der von einem „unbeugsamen, liberalen und unabhängigen Bürgerstolz“ beseelt gewesen sei. Zugleich sei er mit vielen Künstlerinnen und Künstlern in ganz Europa vernetzt gewesen und habe – entgegen dem Zeitgeist im wilhelminischen Kaiserreich – Kunst „nicht national verstanden“. Überdies sei der Maler ein „verbindendes Glied“ gewesen, der „die deutsche mit der französischen und holländischen Kunst eindrucksvoll vereint“ habe. Die Zeit ist reif, in Darmstadt Liebermanns Euphorie für das Alltägliche, das Moderne und die kosmopolitische Vernetzung zu entdecken.

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