Ortsvorsteher Thomas Gutmann (Grüne) auf dem Grüneburgweg, der zur fahrradfreundlichen Nebenstraße umgebaut wird – zum Ärger von Gewerbetreibenden.

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„Da wurde bewusst die Stimmung aufgeheizt“


  • Boris Schlepper

    VonBoris Schlepper
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Der Vorsteher des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend), Thomas Gutmann, über die Debatte zur Umgestaltung des Kettenhofwegs und des Grüneburgwegs zu fahrradfreundlichen Nebenstraßen. Anonyme Anrufer hatten den Politiker der Grünen beleidigt und ihm Gewalt angedroht.

Herr Gutmann, der Ortsbeirat 2 hat sich in diesem Jahr intensiv mit der Umgestaltung des Grüneburgwegs und des Kettenhofwegs zu fahrradfreundlichen Nebenstraßen beschäftigt. Nach der Debatte im November haben Sie anonyme Anrufe erhalten. Sie wurden beleidigt, beschimpft, man hat Ihnen sogar Gewalt angedroht. Wären Sie je davon ausgegangen, dass so etwas passieren könnte?

Nein, damit hätte ich nie gerechnet. Ich bin jetzt elf Jahre im Ortsbeirat, und das Verhalten hat mich sehr verwundert. Es hat gezeigt, dass bei manchen Teile des Gehirns aussetzen, wenn es ums Auto geht.

Kritik kam in den Sitzungen vor allem von Gewerbetreibenden, die Umsatzeinbußen befürchten. Mehrfach wurde kritisiert, Stadt und Ortsbeirat hätten nicht ausreichend informiert. Sehen Sie das auch so?

Beide Projekte wurden in separaten Präsenzveranstaltungen vorgestellt – trotz Corona. Die Veranstaltung zum Grüneburgweg war sehr gut besucht. Zudem gibt es spezielle E-Mail-Adressen der Stadt, über die man sich einbringen kann, was aber kaum genutzt wurde. Als ich persönlich vor Ort war, haben 80 Prozent der Anwohnenden das Projekt begrüßt. Viele Gewerbetreibenden dagegen kannten die Pläne oft nicht einmal. Einen offenen Brief, in dem die Umgestaltung abgelehnt wird, hatten viele Einzelhändler nicht einmal lesen können, bevor sie ihn unterschreiben sollten. Da wurde bewusst die Stimmung aufgeheizt.

Die Schloßstraße hat die Stadt bereits für Radfahrende umgebaut. Warum musste mehrfach nachgebessert werden?

Das Schild, das zeigt, dass Autos Radfahrer dort nicht überholen dürfen, gab es vorher nicht. Das war ein völlig neues Verkehrszeichen, an dass sich viele erst gewöhnen mussten. Und auch die Markierung für die Dooring-Zone war den meisten neu. Inzwischen hat sich das eingespielt, es gab schon lange keine Beschwerden mehr.

Können die gemachten Erfahrungen bei der Umgestaltung der Bockenheimer Landstraße, die zwei breite Radwege erhalten soll, helfen?

Das ist nicht nötig. Mit der Planung waren alle zufrieden, es gab nur wenige kleine Kritikpunkte. Dort soll es im kommenden Jahr losgehen, sobald die Arbeiten am Aufzug auf der Bockenheimer abgeschlossen sind.

2022 werden auch weitere Zonen in Bockenheim und im Westend eingerichtet, in denen das Parken künftig Geld kostet. Hätte die Stadt das vielleicht nicht alles gleichzeitig umsetzen sollen?

Das ist bereits entzerrt. Der Grüneburgweg etwa wird in drei Abschnitten umgestaltet. Und die meisten Bürger warten sehnsüchtig darauf, dass die Parkraumbewirtschaftung endlich auch bei ihnen umgesetzt wird. Ich habe da nichts Negatives gehört. Sinnvoll wäre es, wenn die Stadt einmal vorstellt, wann welche Zone kommen soll.

Interessant ist auch, wie es mit dem Kulturcampus Bockenheim weitergeht. Die neue Stadtregierung hat nach jahrelangem Stillstand jetzt eine erneute Bürgerbeteiligung angekündigt. Was versprechen Sie sich davon?

Es ist erfreulich, dass sich da jetzt etwas tut. Neben der Beteiligung soll es ja jetzt auch Geld für das Offene Haus der Kulturen geben. Die letzten zehn Jahre ist das nur vor sich hin gedümpelt, eigentlich sollte das letzte Projekt noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Jetzt ist offen, wie es etwa mit den Kulturinstituten und dem bezahlbaren Wohnungsbau weitergeht, weil die Goethe-Uni ihre Gebäude auf dem Gelände länger benötigt als geplant.

Zur Person

Thomas Gutmann ist seit Mai Vorsteher im Ortsbeirat 2 . Der 50-Jährige ist seit 2011 für die Fraktion der Grünen Mitglied des Stadtteilgremiums. Gutmann arbeitet als selbstständiger Unternehmer in der Elektro-Metall-Branche.

Der Ortsbeirat 2 ist für die Stadtteile Bockenheim, Kuhwald und das Westend zuständig, in denen zusammen knapp 72 000 Menschen leben.

Stärkste Fraktion im Stadtteilparlament sind die Grünen mit sechs Mandaten. Die CDU hat vier Sitze und stellt mit Axel Kaufmann den stellvertretenden Ortsvorsteher. Die SPD hat drei Mandate, FDP und Linke jeweils zwei, BFF und Ökolinx jeweils eins.

Die nächste Sitzung findet voraussichtlich am 17. Januar um 19 Uhr in der Georg-Büchner-Schule, Pfingstbrunnenstraße 15-17 (Bockenheim), statt. Wegen der Pandemie ist der Platz begrenzt, es gilt die 3G-Regelung und Gäste sind verpflichtet, eine medizinische Gesichtsmaske zu tragen.

Die FR blickt mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2021. Die Serie erscheint in loser Folge. bos

Erfreulich ist, dass das Team der AdA-Kantine, das in Bockenheim kostenloses Essen an Bedürftige verteilt, im November von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnet worden ist. Dauerhaft wird das Projekt aber nicht im Gebäude an der Mertonstraße bleiben können?

Das steht bei uns ganz oben an, für die AdA-Kantine wenigstens eine Übergangsbleibe zu finden, wo sie während der Umbau-Phase der ehemaligen Akademie der Arbeit hinziehen kann. Denkbar ist, dass sie in die neue Mensa ziehen kann.

Unklar ist auch, wie es mit der geplanten Verlängerung der U-Bahn unter dem Grüneburgpark hindurch zur Goethe-Universität im Westend weitergeht.

Wir warten da auf zwei Gutachten zu Auswirkungen des Projekts auf das Grundwasser. Diese liegen frühestens Mitte/Ende 2022 vor.

Wäre es in Anbetracht des Klimawandels nicht sinnvoller, ganz auf den Tunnel zu verzichten?

Der Tunnel wird nicht nur teuer, sondern ist vor allem klima-schädlich. Durch den Bau wird enorm viel CO2 produziert. Ich persönlich bin deshalb dafür, stattdessen auf eine Straßenbahn zu setzen.

Mit dem geänderten Klima hat auch der Wunsch des Ortsbeirats zu tun, dass die Pläne für den Sally-Ride-Platz im Neubaugebiet auf dem Rebstockgelände überarbeitet werden sollen.

Für den Quartiersplatz gibt es bereits eine Planung, nach der fast alles versiegelt wird und Parkplätze entstehen. Das ist nicht mehr zeitgemäß, weshalb wir fordern, dass das Gestaltungsverfahren noch mal von vorne startet, jetzt, da der geänderte Bebauungsplan in Kraft getreten ist. Der Platz muss im 21. Jahrhundert ankommen.

Was wird im kommenden Jahr auf der Tagesordnung stehen?

Ein wichtiges Thema wird der barrierefreie Umbau des Westbahnhofs werden, da soll es 2022 endlich losgehen. Im März werden uns Vertreter der Bahn die Pläne dazu vorstellen. Wir sind gespannt: Eine barrierefreie Rampe, die der Ortsbeirat gefordert hat, hat die Bahn kurzerhand abgelehnt. Auch soll der Betrieb während der Arbeiten aufrecht erhalten werden.

Dürfen Sie 2022 wieder im Ortsbezirk tagen, was Sie wegen Corona zuletzt nicht durften?

Ja, ab Januar gilt für die Sitzungen die 3G-Regelung, dann könnten wir wieder in den Hörsälen der Uni tagen, in die wir glücklicherweise auch zuvor schon ausweichen konnten. Mein besonderer Dank gilt aber den vielen Mitarbeitern im Impfzentrum, das ebenfalls in unserem Ortsbezirk liegt. Trotz der großen Belastung waren sie immer freundlich und hilfsbereit.

Interview: Boris Schlepper

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