In China werden Totimpfstoffe gegen Corona schon lange verwendet.

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Corona-Totimpfstoffe: Diese Vorteile und Nachteile haben traditionelle Vakzine


  • Pamela Dörhöfer

    VonPamela Dörhöfer
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Eine Studie schreibt Corona-Totimpfstoffen eine geringere Wirksamkeit zu. Doch diese Nachteile sollen ausgeglichen werden. Und es gibt auch Vorteile.

Frankfurt – Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht und Fußballspieler Joshua Kimmich sind zwei prominente Beispiele für Menschen, die sich bislang nicht gegen Corona impfen ließen – von sich aber sagen, Impfungen nicht grundsätzlich abzulehnen. In Deutschland ist eine Debatte um die hinter dieser Haltung stehenden Motive entbrannt, die Wagenknecht und Kimmich vermutlich mit vielen anderen bisher Ungeimpften teilen dürften.

Häufig fällt dabei das Argument, auf die Zulassung eines herkömmlichen, auf einem „vertrauten“ Prinzip beruhenden Vakzins zu warten, oft verbunden mit dem Hinweis auf die Neuartigkeit der bislang in Deutschland verfügbaren genbasierten Impfstoffe. Das Gegenargument dazu lautet, dass diese neuartigen Vakzine mittlerweile weltweit millionenfach verabreicht wurden.

Impfstoffe gegen Coronavirus: Totimpfstoffe werden in China schon lange genutzt

Gleichwohl werden in vielen anderen Ländern auch Covid-Impfstoffe herkömmlicherer Art eingesetzt. Dazu gehören Totimpfstoffe mit inaktivierten Erregern sowie Proteinimpfstoffe auf Basis von im Labor hergestellten viralen Eiweißpartikeln. Mit abgetöteten Viren arbeiten unter anderem die Impfstoffe aus China, Coronavac von Sinovac und Vero von Sinopharm, sowie das russische Vakzin Covivac und das indische Covaxin. Proteinbasierte Impfstoffe, die bereits in der Praxis eingesetzt werden, sind die beiden kubanischen Vakzine Abdala und Soberana 02. Seit Montag ist in Indonesien zudem der Proteinimpfstoff des US-Herstellers Novavax zugelassen.

In der Europäischen Union, in Großbritannien, den USA und Kanada, aber auch in Australien und Neuseeland sind Covid-Vakzine klassischer Machart indes noch nicht auf dem Markt, wenngleich zumindest der proteinbasierte Impfstoff von Novavax in absehbarer Zeit kommen könnte. Ebenfalls in der Pipeline befindet sich ein Proteinimpfstoff des französischen Pharmakonzerns Sanofi. Wegen einer zu geringen Wirksamkeit von Vidprevtyn bei Älteren musste Sanofi allerdings die Phase-2-Studie wiederholen und geriet dadurch ins Hintertreffen, obwohl die EU früh große Mengen des Vakzins geordert hatte.

Totimpfstoffe gegen Corona: Was man bisher weiß

Was weiß man über die „traditionelleren“ Covid-Impfstoffe? Insbesondere die klassischen Totimpfstoffe aus China gehörten zu den Corona-Vakzinen der ersten Stunde. Bereits Monate, bevor in Deutschland die ersten Menschen ihre Arme für mRNA- und Vektorvakzine freigemacht haben, wurden Millionen Chines:innen mit inaktivierten Coronaviren immunisiert. Dabei handelt es sich um ein seit Jahrzehnten bewährtes Prinzip, das unter anderem auch bei der Impfung gegen Tetanus, Keuchhusten oder Diphtherie eingesetzt wird. Über Studienergebnisse, tatsächliche Wirksamkeit, Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen der ersten Covid-Vakzine drang damals aber nur wenig nach außen.

Umfrage

Mehr als zwei Drittel der in einer Forsa-Umfrage als „Skeptiker:innen“ der deutschen Corona-Politik und Berichterstattung geführten Teilnehmenden haben angegeben, dass die Verfügbarkeit eines „klassischen“ Impfstoffes ihre Impfbereitschaft erhöhen würde.

Die repräsentative Umfrage wurde Anfang Oktober durchgeführt. Unter denjenigen, die nach eigenen Angaben an eine „Corona-Diktatur“ glauben, gab gut die Hälfte diese Antwort. Sogar unter den Befragten, die die Existenz des Virus infrage stellten, sagten dies immerhin noch 40 Prozent. (fme)

Corona-Impfstoffe mit inaktivierten Viren: Weniger wirksam als mRNA-Vakzine

Gleichwohl erteilte die Weltgesundheitsorganisation WHO den Vakzinen von Sinovac und Sinopharm im Frühjahr 2021 die Notfallzulassung. Hintergrund war die Hoffnung, mit diesen Impfstoffen die Pandemie in ärmeren Ländern eindämmen zu können. Tatsächlich sind die chinesischen Impfstoffe seither in mehr als hundert Ländern eingesetzt worden. Rund die Hälfte aller weltweit geimpften Menschen hat eines der beiden Vakzine erhalten.

Als bisher einziger Impfstoff mit inaktivierten Ganzviren durchläuft das Vakzin von Sinovac bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA seit Mai 2021 ein beschleunigtes Verfahren. Noch ist ungewiss, wann und ob es in der EU zugelassen wird.

Was den Umfang des Schutzes durch die chinesischen Totimpfstoffe angeht, fällt die Einschätzung nicht ganz leicht. Als im Frühjahr in Chile die Infektionszahlen stiegen, gab es den Verdacht, die Wirkung könnte unzureichend sein. In dem südamerikanischen Land wurden die meisten Menschen mit dem Sinovac-Totimpfstoff immunisiert, ein kleinerer Teil mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Ein Mitte Oktober im Fachmagazin „Nature“ erschienener Artikel bestätigt die Annahme, dass die chinesischen Totimpfstoffe nicht so wirksam sind wie die mRNA-Vakzine. Bei der Vorbeugung symptomatischer Covid-Infektionen liegen die genannten Werte von 51 Prozent bei Sinovac und 79 bei Sinopharm deutlich hinter Biontech/Pfizer und Moderna mit rund 90 Prozent (jedoch nicht hinter dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca, für den 63 Prozent angegeben werden).

Corona-Impfungen: Totimpfstoffe bewirken breitere, aber wohl schwächere Immunantwort

Einige Studien kamen auch zu dem Ergebnis, dass die Mengen an neutralisierenden Antikörpern bei den chinesischen Totimpfstoffen geringer ausfallen und schneller abfallen als bei mRNA-Vakzinen. Allerdings weist der Epidemiologe Ben Cowling von der Universität Hongkong darauf hin, dass die Abnahme der Antikörper nicht gleichbedeutend mit einem Nachlassen des Immunschutzes sein muss.

Viele, die auf einen herkömmlicheren Impfstoff warten, dürften damit die Hoffnung auf eine geringere „Reaktogenität“ verbinden. Tatsächlich war von heftigen Impfreaktionen und schweren Nebenwirkungen wie Sinusvenenthrombosen oder Herzmuskelentzündungen wenig zu hören. Allerdings ergab eine im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Studie, dass der Totimpfstoff von Sinovac häufiger als der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer – wenn auch sehr selten – zu Bell-Lähmung führt, einer meist reversiblen Lähmung des Gesichtsnervs, die durch Viren, aber auch durch Impfungen hervorgerufen werden kann.

Auch in Europa befindet sich ein klassischer Totimpfstoff mit inaktivierten Ganzviren in der Entwicklung. Hersteller ist das österreichisch-französische Unternehmen Valneva, das Mitte Oktober positive Ergebnisse aus der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie für sein Vakzin VLA2001 gemeldet hat. Impfstoffe mit abgetöteten Viren setzen auf das Prinzip, dem Körper anstelle eines bestimmten Bausteins den gesamten Erreger zu präsentieren – entsprechend bildet das Immunsystem auch gegen alle Bestandteile Abwehrstoffe. Das ist ein wesentlicher Unterschied nicht nur zu den mRNA- und Vektorimpfstoffen, sondern auch zu den proteinbasierten Impfstoffen von Novavax oder Sanofi, die allein auf das Spike-Protein als Antigen setzen. Die breite Immunantwort könnte – zumindest theoretisch – beim Auftreten neuer Varianten mit Mutationen am Spike-Protein ein Vorteil gegenüber Impfstoffen sein, die auf dieses Eiweiß fixiert sind. Ein Nachteil besteht darin, dass die Immunantwort auf inaktivierte Viren zwar breit, aber oft nicht so stark ist.

Corona-Impfstoff: Valneva-Vakzin könnte bald auch als Booster eingesetzt werden

Die Ursache für die schwächere Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe könnte darin liegen. Bei Valneva will man das durch eine hohe Dichte an Spike-Proteinen bei den inaktivierten Viren und die Zugabe von gleich zwei Wirkverstärkern ausgleichen: Alaun, bestehend aus dem häufig zu diesem Zweck verwendeten Aluminiumhydroxid, und CpG1018, eine Substanz, die auch in einem Hepatitis-B-Impfstoff enthalten ist.

Laut Mitteilung des Unternehmens soll der in zwei Dosen im Abstand von vier Wochen verabreichte Impfstoff eine starke Antikörper- und breite T-Zell-Antwort hervorgerufen haben. In der Studie wurde das Vakzin mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca verglichen. Valneva soll zu um 40 Prozent höheren Werten bei den neutralisierenden Antikörpern geführt haben. Auch in puncto Nebenwirkungen schnitt der Totimpfstoff besser ab, trotz der zwei beigefügten Wirkverstärker. Das „Verträglichkeitsprofil“ sei „signifikant günstiger“, heißt es. Schwerwiegende Ereignisse sollen überhaupt nicht aufgetreten sein.

Corona-Vakzine: Nebenwirkungen bei Totimpfstoffen eher selten

Bei beiden Vakzinen kam es bei jenen, die sich trotz Impfung infiziert hatten, ähnlich selten zu Symptomen und kein einziges Mal zu einem schweren Verlauf. Einschränkend ist allerdings zu bemerken, dass die Zahl der Teilnehmenden mit insgesamt rund 4000 Erwachsenen und 660 Jugendlichen relativ klein war.

„Dies ist ein viel traditionellerer Ansatz der Impfstoffherstellung als die bisher im Vereinigten Königreich, in Europa und Nordamerika eingesetzten Impfstoffe“, wird Studienleiter Adam Finn von der Universität Bristol in Großbritannien in der Mitteilung von Valneva zitiert. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, „dass dieser Impfstoffkandidat auf dem besten Weg ist, eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Pandemie zu spielen“.

Laut Valneva-Geschäftsführer Thomas Lingelbach könne man damit Menschen, die noch nicht geimpft seien, eine „alternative Impfstofflösung“ anbieten. Auch als Booster nach der Impfung mit einem anderen Vakzin soll VLA2001 eingesetzt werden können. Demnächst will das Unternehmen den Impfstoff für Fünf- bis Zwölfjährige testen. Valneva bereitet derzeit den Zulassungsantrag in der EU vor, ein Vertrag über den Kauf einer bestimmte Mengen von Dosen existiert aber noch nicht. (Pamela Dörhöfer)

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