Ausschnitt aus Youtube-Video. Aktivist:innen entsorgen massen an AfD-Werbung bei der Bundestagswahl 2021.

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Bundestagswahl: AfD fällt auf Coup des „Zentrums für Politische Schönheit“ rein

  • VonLucas Maier
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Die AfD geht dem „Zentrum für Politische Schönheit“ vor der Bundestagswahl 2021 auf den Leim. Diesmal geht es um Wahl-Werbung.

Kassel – Die Bundestagswahl 2021* ist vorbei, die Wahlurnen abgebaut und alle Wahl-Werbung längst verteilt: Oder doch nicht? Zumindest bei der AfD* sind wohl noch Millionen an Flyern übrig. Die Partei vom rechten Rand des Bundestages ist anscheinend auf den neusten Coup des Künstler:innen-Kollektives „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) hereingefallen.

Die Aktivist:innen bekennen sich auf einer Website dazu rund fünf Millionen Flyer der AfD nicht verteilt zu haben. Unter dem Namen „Flyerservice Hahn“ haben die Aktivist:innen allen Verbänden der AfD wohl unschlagbare Angebote gemacht. Nach Angaben des „Zentrums für Politische Schönheit“ hat die AfD Aufträge in Millionhöhe an das (fiktive) Unternehmen gegeben.

AfD unter Beschuss: 85 Verbände gaben Verteilungen zur Bundestagswahl in Auftrag

Der „Flyerservice Hahn“ hat weder eine Adresse, eine Steuernummer, geschweige denn einen Eintrag im Handelsregister, so die Aktivist:innen. Auf die Fake-Angebote sind 85 Orts-, Kreis und Landesverbände der AfD angesprungen.

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Werbung der AfD abhandengekommen: Als „Flyerservice Hahn“ landeten Aktivist:innen einen Coup.

Das vermeintliche Werbe-Unternehmen ist mit einem Allround-Service zur Verteilung von Wahl-Werbung an die Verbände herangetreten. Am Ende hatten die Aktivist:innen rund 5 Millionen Flyer der AfD zum Verteilen bekommen. Auf ihrer Website beschreiben sie diese als „72 Tonnen AfD-Müll“.

Bundestagswahl 2021: Fake-Unternehmen nimmt Spenden entgegen

Auch die Reaktionen der Auftraggeber sind auf der Internetseite zu finden. So wird beispielsweise der AfD-Verband Baden-Württemberg zitiert: „Das klingt für mich, als hätten sie unsere 65.000 Flyer verbummelt.“ Ein weitere zitierte Aussage des Verbandes, welches höchstwahrscheinlich zu einem früheren Zeitpunkt getätigt wurde, zeigt wie gut das Angebot bei der AfD anfangs ankam: „Ihr Angebot ist unschlagbar!“.

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Auszug von der Bekennerwebsite des „Zentrums für Politische Schönheit“.

Auf ihrer offensichtlich satirisch geschriebenen Seite bietet das Fake Unternehmen verschiedene Merchandise-Artikel des „Flyerservice Hahn“ an. Außerdem findet sich auf der Seite eine Spendenkampagne des Künstler:innen-Kollektivs. Mit jeder Spende wird laut den Aktivist:innen eine gewisse Anzahl an AfD-Flyern entsorgt. Eine Spende von 25 Euro entsorgt beispielsweise 1250 Flyer, so das Angebot.

Werbung für die Bundestagswahl 2021: AfD kündigt Konsequenzen an

Auch auf der Gegenseite werden bereits Maßnahmen ergriffen. Die AfD kündigte bereits in einer Pressemitteilung an, Strafanzeige stellen zu wollen. Laut der Bundesgeschäftsstelle der Partei hat die Aktion Verbände und Kandidat:innen in fünf Bundesländern getroffen, wie ntv.de berichtet.

  • Betroffene Bundesländer:
  • Niedersachsen
  • Berlin
  • Hessen
  • Baden-Württemberg
  • Rheinland-Pfalz

Auf der Bekenner-Website schreiben die Aktivist:innen ebenfalls von einer drohenden strafrechtlichen Verfolgung. Es sollen auch Schadensersatzforderungen im Raum stehen, so das Kollektiv.

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Bundestagswahl: AfD räumt Auftragserteilung offiziell ein

In einer offiziellen Mitteilung der AfD wird bestätigt, dass Aufträge mit einem Volumen von mehr als einer Million Flyer an den „Flyerservice Hahn“ erteilt wurden. Die Partei wirft den Aktivist:innen vor, die Steuernummer eines unwissenden Unternehmens verwendet zu haben. Diese betonen auf ihrer Website, dass es keine Steuernummer für das Fake Unternehmen gibt. Zuletzt hatte die AfD Aufsehen mit einem möglichen Spenden-Skandal* erregt. Inwieweit dieser der Partei bei möglichen Ermittlungen gegen den „Flyerservice Hahn“ in die Quere kommen könnte, ist noch unklar. Bei dem Skandal geht es um mutmaßlich illegale Finanzierungen von Wahl-Werbung.

Per E-Mail sind die AfD-Verbände am Dienstag (21.09.2021) vor der Wahl davon in Kenntnis gesetzt worden, dass die Flyer „aus organisatorischen Gründen“ nicht verteilt werden könnten. Bereits in der Vergangenheit gab es Aktionen des „Zentrums für Politische Schönheit“ in Bezug auf die Politik der AfD. Nachdem Björn Höcke, welcher mittlerweile laut Gerichtsurteil als „Faschist“ bezeichnet werden darf, das Holocaust Denkmal in Berlin als „Mahnmal der Schande“* verunglimpfte, errichteten die Aktivist:innen ein ähnliches Bauwerk in unmittelbarer Nähe zu Höckes Wohnsitz. Wie die Konsequenzen für das Kollektiv im Falle der Flyeraktion ausfallen werden, bleibt abzuwarten. (Lucas Maier) *fr.de ist ein Angebot der IPPEN.MEDIA

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