Die Lage der Menschen an der belarussisch-polnischen Grenze wird immer dramatischer.

Belarussisch-polnische Grenze: Belarussische Soldaten zerstören wohl Grenzbarriere, Details wollten wir unter der Überschrift Belarussisch-polnische Grenze: Belarussische Soldaten zerstören wohl Grenzbarriere für Sie, liebe Leserinnen und Leser, mitteilen. Details zu unseren News mit dem Titel Belarussisch-polnische Grenze: Belarussische Soldaten zerstören wohl Grenzbarriere finden Sie in unserem Artikel..

Belarussisch-polnische Grenze: Belarussische Soldaten zerstören wohl Grenzbarriere

  • VonMax Schäfer
    schließen

  • Sandra Kathe

    Sandra Kathe
    schließen

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt harren Tausende Tagen in provisorischen Camps in Belarus an der polnischen Grenze aus. Die Lage ist dramatisch.

Update vom Sonntag, 14.11.2021, 08.00 Uhr: In der Nacht zu Sonntag scheint der Streit zwischen Polen und Belarus eskaliert zu sein. Wie tagesschau.de berichtet, hätten belarussische Soldaten begonnen, eine provisorische Grenzbarriere in der Nähe des Dorfs Czeremcha zu zerstören, und dabei polnische Sicherheitskräfte mit Laserstrahlern geblendet.

100 Migrant:innen hätten in der Nähe gewartet, um die Grenze zu überqueren. „Die Belarusen haben die Ausländer mit Tränengas ausgestattet, das gegen die polnischen Dienste eingesetzt wurde“, erklärten polnische Grenztruppen laut tagesschau.de. Den Menschen sei es nicht gelungen, die Grenze zu übertreten.

Kretschemr gegen die Aufnahme von Migrant:innen aus Belarus

Derweil hat Bundestagspräsidentin Bärbel Bas rasche Hilfe gefordert: „Die Menschen werden mit einem falschen Versprechen an die Grenze zur EU gebracht. Sie werden missbraucht“, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag). Sie mahnte: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen und ihre Schicksale als Druckmittel benutzt werden.» Europa müsse sich schnell einigen, wie diesen Menschen geholfen werden könne.

Die Lage der Menschen an der belarussisch-polnischen Grenze wird immer dramatischer.

+

Die Lage der Menschen an der belarussisch-polnischen Grenze wird immer dramatischer.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hingegen will die Migrant:innen nicht in Deutschland oder anderen EU-Ländern aufnehmen. „Wenn man das wollte, müssten sie nicht den Umweg über Minsk nehmen, sondern könnten direkt nach Deutschland fliegen“, sagte Kretschmer der Bild am Sonntag.

Krise an belarussisch-polnischer Grenze: „Humanitäre Katastrophe“ – Hilfsorganisationen fordern Zugang

+++ 15.35 Uhr: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat humanitäre Hilfe für die Geflüchteten an der Grenze zwischen Polen und Belarus gefordert. „Denn es widerspricht dem humanitären Grundsatz, demzufolge zu allen Menschen in Not Zugang gewährt werden muss. Diese Menschen müssen unabhängig von ihrem Rechtsstatus Zugang zu humanitärer Hilfe haben“, erklärte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Samstag (13.11.2021).

Krise zwischen Polen und Belarus: „Größte humanitäre Katastrophe“

Die Situation im Grenzgebiet sei dramatisch, berichtet Hasselfeldt. Die schätzungsweise 3000 bis 4000 Menschen litten an Unterkühlung und seien erschöpft. Unter den Geflüchteten seien auch viele Schwangere und Kinder. Gerade sie bräuchten dringend Hilfe.

Zwei Kinder sammeln in einem Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Belarus und Polen Holz.

+

Besonders Kinder und Schwangere an der Grenze zwischen Belarus und Polen benötigen humanitäre Hilfe, so das Deutsche Rote Kreuz.

Auch die nicht-staatliche polnische Wohltätigkeitsorganisation WOSP beklagte einen mangelnden Zugang zu Geflüchteten. Das Grenzgebiet sei für niemanden zugänglich, direkte Unterstützung für Menschen, die es über Absperrungen schafften, könnte zudem bestraft werden. „Die Regierung muss einsehen, dass es zu nichts führt, die Grenzregion für Medien und Hilfsorganisationen abzuriegeln“, sagte Jurek Owsiak, der Präsident der karitativen Stiftung. Die Krise an der Grenze sei die größte humanitäre Katastrophie in der unmittelbaren Umgebung, die er je gesehen habe, sagte Owsiak.

„Wir können nicht länger zuschauen, wie Menschen an Europas Grenzen sterben“, erklärte der Flüchtlingsrat Niedersachsen in einer Stellungnahme am Samstag (13.11.2021). Der Flüchtlingsrat appellierte außerdem an die alte und die künftige Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass die Menschen im Grenzgebiet zwischen Polen und Belarus Zugang zu einem fairen Asylverfahren in der EU erhielten. Die deutschen Regierungen müssten sich in der EU nachdrücklich für die Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention und der Europäischen Menschenrechtskonvention einsetzen.

Weiterer Todesfall im Grenzgebiet zwischen Polen und Belarus

+++ 11.25 Uhr: In Polens Grenzgebiet zu Belarus hat die Polizei eine weitere Leiche gefunden. Bei dem Toten handele es sich um einen 20 Jahre alten Mann aus Syrien, sagte ein Sprecher der Polizei in der Woiwodschaft Podlachien am Samstag der Nachrichtenagentur PAP. Demnach wurde die Leiche von einem Forstarbeiter in einem Waldstück nahe des Dorfes Wolka Terechowska entdeckt. Der Tote habe einen syrischen Pass bei sich gehabt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung soll Aufschluss über die Todesursache geben. In dem Grenzgebiet sind schon mehrere Menschen gestorben.

Krise an belarussisch-polnischer Grenze – Putin: „Wir haben damit nichts zu tun“

Update vom Samstag, 13.11.2021, 10.00 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Beteiligung Moskaus am Konflikt um Geflüchtete an der belarussisch-polnischen Grenze bestritten. „Ich möchte, dass es alle wissen. Wir haben nichts damit zu tun“, sagte Putin in einem am Samstag vom staatlichen Rundfunksender Westi ausgestrahlten Interview. Derweil erklärte die polnische Polizei, dass in der Nähe der Grenze die Leiche eines syrischen Flüchtlings entdeckt worden sei.

„Die Leiche eines jungen Mannes syrischer Nationalität wurde gestern in einem Wald bei Wolka Terechowska entdeckt“, erklärte die Behörde. Die Todesursache habe vor Ort nicht festgestellt werden können.

Etwa hundert Menschen hätten in der Nacht erneut versucht, die Grenze zu überwinden, teilte die Polizei weiter mit. Beim Anblick von Polizei und Soldaten seien die Menschen aber auf belarussischer Seite in den Wald geflohen.

Sicherheitskräfte stehen Wache am polnisch-belarussischen Grenzübergang.

+

Sicherheitskräfte stehen Wache am polnisch-belarussischen Grenzübergang.

Nach Androhung von EU-Sanktionen: Türkei ordnet Flugverbote nach Belarus an

Erstmeldung: Brüssel/Istanbul – Um angedrohte Sanktionen seitens der EU-Staaten zu verhindern, hat die zivile Luftfahrtbehörde der Türkei am Freitag zugesagt, strengere Regeln für eine Ausreise nach Belarus zu verhängen und sogar Flugverbote anzuordnen. So sei geplant, dass Menschen aus Syrien, dem Irak oder Jemen zukünftig nicht mehr von der Türkei nach Belarus reisen dürften, auch One-Way-Tickets für Flüge aus der Türkei nach Minsk solle es nicht mehr geben.

Die Entscheidung ist Folge der nach wie vor angespannten Lage an den belarussischen Grenzen zu EU-Staaten wie Polen oder Litauen. Hier warteten in den vergangenen Tagen Tausende Menschen unter prekären Umständen auf eine Ausreise in die EU. Immer wieder kommt es zu Konflikten mit der Polizei. Polnische Sicherheitskräfte schritten Polizeiangaben zufolge in der Nacht mehrfach ein, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

Konflikt zwischen EU und Belarus: Verhärtete Fronten – Militär im Einsatz

In der Nähe des Ortes Kuznica hätten belarussische Soldaten am Donnerstagabend (11.11.2021) versucht, eine rund 35 Menschen zählende Menschengruppe gewaltsam über die Grenze zu drängen, zitierte die Agentur PAP den örtlichen Polizeisprecher Tomasz Krupa. Unter den Migrant:innen waren demnach überwiegend Frauen und Kinder. Viele Angaben aus dem Grenzgebiet lassen sich nicht überprüfen, weil unabhängigen Journalisten bislang der Zutritt verwehrt wurde.

Der Führung in Minsk wird vorgeworfen, gezielt Migrant:innen aus Krisengebieten ins Land zu holen, um sie dann zur Weiterreise in die EU an die Grenze zu Polen zu bringen. Die Vermutung ist, dass sich Machthaber Alexander Lukaschenko damit für Sanktionen rächen will, die die EU wegen der Unterdrückung der Zivilgesellschaft und der demokratischen Opposition erlassen hat.

Berichten zufolge sollen belarussische Militärs am Donnerstagabend versucht haben eine Gruppe Migrant:innen über die Grenze zu drängen.

+

Berichten zufolge sollen belarussische Militärs am Donnerstagabend versucht haben eine Gruppe Migrant:innen über die Grenze zu drängen: vor allem Frauen und Kinder.

Krise an der Grenze zu Belarus: Neue EU-Sanktionsinstrumente ab Montag

Wenn sich die Türkei nicht am Vorgehen gegen die illegale Migration beteiligt hätte, hätte die teilstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines in Kürze mit Sanktionen, etwa einem Start- und Landeverbot auf EU-Flughäfen, belegt werden können. Um solche Maßnahmen zu ermöglichen, hatten sich die EU-Staaten in den vergangenen Tagen auf ein neues Sanktionsinstrument gegen Fluggesellschaften und andere Beteiligte an illegalen Schleuseraktivitäten verständigt. Es soll am kommenden Montag bei einem EU-Außenministertreffen formell beschlossen werden. Im nächsten Schritt könnten dann konkrete Strafmaßnahmen verhängt werden.

Im Team von EU-Ratspräsident Charles Michel, das in den vergangenen Tagen mit den türkischen Behörden in intensivem Kontakt war, wurden die Selbstverpflichtungen begrüßt. „Wenn diese Maßnahmen umgesetzt werden, wird das konkrete Auswirkungen auf die aktuelle Situation haben“, sagte ein Beamter. Michel selbst bedankte sich auf Twitter bei den türkischen Behörden „für Ihre Unterstützung und Zusammenarbeit“.

Migrant:innen kommen über Belarus: Mehr als Hundert Menschen täglich erreichen Deutschland

Über Belarus und Polen kommen weiter pro Tag im Schnitt weit mehr als 100 Migranten unerlaubt nach Deutschland. Seit Monatsbeginn wurden bis einschließlich 11. November 1488 unerlaubte Einreisen mit Bezug auf Belarus registriert, vor allem entlang der deutsch-polnischen Grenze, wie die Bundespolizei am Freitag mitteilte. Seit Jahresbeginn waren es 9329. Eine Entspannung der Lage zeichne sich nicht ab. (ska/dpa/epd)

Rubriklistenbild: © Leonid Shcheglov/dpa

Bir cevap yazın