Özlem Türeci und Ugur Sahin kürzlich beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Köln.

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Auszeichnung für Corona-Impfstoff: Biontech erhält Paul-Ehrlich-Preis


  • Pamela Dörhöfer

    VonPamela Dörhöfer
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Özlem Türeci, Ugur Sahin und Katalin Karikó vom Mainzer Biotechnologie-Unternehmen Biontech erhalten den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2022.

Frankfurt am Main – Dreimal Biontech: Die Ärztin Özlem Türeci, der Mediziner Ugur Sahin und die Biochemikerin Katalin Karikó werden für ihre Forschung zu messenger-RNA (mRNA) und deren Nutzung als Impfstoffe und Therapeutika mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2022 ausgezeichnet.

Das gab der Paul Ehrlich-Stiftungsrat bekannt. Özlem Türeci (54) und Ugur Sahin (55) gründeten das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen im Jahr 2008, Katalin Karikó (66) arbeitet dort seit 2013, sie ist außerdem Professorin an der University of Pennsylvania (USA). Biontech erlangte in der Corona-Pandemie weltweite Bekanntheit durch den 2020 entwickelten und zusammen mit dem US-Pharmakonzern Pfizer auf den Markt gebrachten mRNA-Impfstoff BNT162b2, Handelsname Comirnaty; es ist das erste zugelassene Produkt des Mainzer Unternehmens.

Die beiden Preisträgerinnen und der Preisträger hätten „eine Technologieplattform etabliert, die in Teilbereichen der Medizin einen Paradigmenwechsel einleiten dürfte“, heißt es in der Begründung des Paul Ehrlich-Stiftungsrates – und weiter: „Als herausragender Erfolg hat sich dabei die spektakulär schnelle Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffes gegen die Coronavirus-Krankheit Covid-19 erwiesen, der bei der weltweiten Eindämmung der Sars-CoV-2-Pandemie eine entscheidende Rolle spielt.“

Biontech: Ziel war die Entwicklung einer neuen Krebstherapie

Gleichwohl zielt die Auszeichnung nicht nur auf das mittlerweile in Ländern rund um den Globus zig millionenfach verabreichte mRNA-Vakzin, sondern auch auf den therapeutischen Einsatz dieser genbasierten Technologie – insbesondere in Form einer personalisierten Behandlung bösartiger Tumore. Für eine solche individuell an den einzelnen Patienten und die einzelne Patientin angepasste „Krebsimpfung“ gibt es bislang aber noch keine Zulassung, auch nicht für andere Hersteller. Biotech hat gleich mehrere dieser neuartigen Therapeutika in der Pipeline, die bereits die erste Phase der klinischen Prüfung (also mit menschlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern) erfolgreich bestanden haben sollen; zu den Indikationen zählt unter anderem Schwarzer Hautkrebs.

Özlem Türeci und Ugur Sahin kürzlich beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Köln.

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Özlem Türeci und Ugur Sahin kürzlich beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Köln.

Viele Menschen dürften in der Corona-Pandemie erstmals von der mRNA-Technologie durch deren breiten Einsatz bei Covid-Impfstoffen gehört haben. In der Medizin wird jedoch bereits seit Jahrzehnten daran geforscht. Eine Geschichte nicht frei von Skepsis, Rückschlägen und auch Streitigkeiten – und letztlich doch erfolggekrönt. Schon Ende der 1980er Jahre haben einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Potenzial in diesen Botenmolekülen gesehen – ohne dass daraus allerdings Greifbares resultierte. Heute nehmen mehrere für sich in Anspruch mRNA-Impftechnologie „erfunden“ zu haben, als schillerndste Figur etwa der Amerikaner Robert Malone, der 1989 als junger Forscher am Salk Institut einen wissenschaftlichen Aufsatz dazu schrieb, wie RNA mit Hilfe von Lipiden in Zellen geschleust werden kann, der heute aber vor allem als Kritiker der mRNA-Impfstoffe auftritt. Als den „Mann, der das Impfen neu erfand“ betitelt ein Buch Dietmar Hoerr, Gründer des Tübinger Unternehmens Curevac, das ebenfalls an mRNA-Vakzinen arbeitet, es allerdings anders als Biontech bisher nicht zur Zulassung geschafft hat.

mRNA lässt sich genau auf jeden Tumor zuschneiden

Auch Ugur Sahin und Özlem Türeci arbeiten bereits seit den 1990er Jahren mit messenger-RNA. Ausgangspunkt war allerdings nicht die Suche nach einem Impfstoff gegen eine Infektionskrankheit, sondern das Ziel, ein Krebstherapeutikum völlig neuer Machart zu entwickeln. Dieses sollte darauf basieren, dem Immunsystem von Krebskranken bestimmte Merkmale – Antigene – des eigenen Tumors zu präsentieren, um auf diese Weise wie bei einer Impfung eine Abwehr zu provozieren, die sich gegen die bösartig veränderten Zellen richtet und diese zerstört. Sahin und Türeci gelangten bei ihrer Forschung zu der Erkenntnis, dass das Prinzip, die Bauanleitung von Tumorantigenen per mRNA in den Körper zu schleusen, als Methode am besten geeignet ist.

Die Auszeichnung

Der mit 120 000 Euro dotierte Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis gehört zu den international bedeutendsten wissenschaftlichen Auszeichnungen. Er wird seit 1952 für „besondere Verdienste“ in der Immunologie, der Krebsforschung, der Hämatologie, der Mikrobiologie und der Chemotherapie – den Forschungsschwerpunkten von Paul Ehrlich – vergeben.

Die Verleihung findet alljährlich am 14. März, dem Geburtstag Paul Ehrlichs, in der Frankfurter Paulskirche, statt. Mehrere Preisträgerinnen und Preisträger haben später den Nobelpreis erhalten, darunter James Allison für seine Forschung zur Immuntherapie bei Krebs oder Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna für die Entwicklung der Genschere.

Finanziert wird der Preis vom Bundesgesundheitsministerium, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller und durch zweckgebundene Spenden von Unternehmen. Die Paul Ehrlich-Stiftung, die über die Preisträgerinnen und Preisträger entscheidet, wird treuhänderisch von der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt verwaltet. (pam)

Die erst 1960 entdeckte mRNA (deutsch: Boten-Ribonukleinsäure) ist eine einsträngige Verwandte der doppelsträngigen DNA, der Trägerin des Erbguts, und spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion von Proteinen in den Zellen. Sie entsteht durch die Transkription von Erbinformation an der DNA als eine Art Matrize des entsprechenden Abschnitts. Anschließend wandert die mRNA zu den Ribosomen, unseren „Protein-Fabriken“, wo die abgelesene Reihenfolge der Nukleinsäure-Basen in die entsprechenden Aminosäure-Sequenzen von Proteinen übersetzt wird. Eines der größten Probleme bei der pharmazeutischen Nutzung von mRNA allerdings ist deren Instabilität.

Ugur Sahin und Özlem Türeci gelang es in jahrelanger Forschungsarbeit, strukturelle Komponenten dieser Botenmoleküle zu verändern, dass die synthetische mRNA stabiler und die von ihnen angestoßene Proteinproduktion zudem effizienter wurde. 2006 publizierten sie ihre Ergebnisse dazu und gewannen den ersten Go-Bio-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung – es war der Grundstein für die Gründung von Biontech zwei Jahre später.

Katalin Karikó ist der Materie auch treu geblieben

In den Folgejahren optimierte das Team aus Mainz die Immunantwort auf seine Krebs-Impfstoffe und entwickelte als Transportmittel in die Zelle geeignete Lipid-Nanopartikel – wie sie heute auch im Covid-Vakzin von Biontech verwendet werden. Mit diesem Prinzip, so die Hoffnung, soll es möglich sein, mRNA-Krebstherapeutika ganz genau an das genetische Profil eines jeden Tumors anzupassen. Theoretisch wäre ein solches Mittel bei allen Krebsarten einzusetzen, so wie sich auch ein mRNA-Impfstoff auf die verschiedensten Erreger zuschneiden ließe.

Die 1955 in Ungarn geborene Biochemikerin Katalin Karikó schloss sich Biontech 2013 an. Auch sie hatte in den USA bereits seit 1989 mit mRNA beschäftigt. Sie war der Materie auch treu geblieben, als sich um die Jahrtausendwende herum, beflügelt durch das humane Genomprojekt, der Fokus verstärkt auf die DNA-Forschung richtete, weil viele darin das größere Potenzial und die große Ära der Gentherapie anbrechen sahen.

Wesentliche Vorteile der RNA gegenüber der DNA

Katalin Karikó arbeitete anders als das Biontech-Gründerpaar jedoch nicht an einer Krebsimpfung. Eines ihrer Ziele war es, durch das Einschleusen von mRNA in Zellen die Produktion von Proteinen anzuregen, an denen es Menschen mit bestimmten erblichen Erkrankungen wie Mukoviszidose mangelt. Karikó sah wesentliche Vorteile der RNA gegenüber der DNA darin, dass die einsträngige Ribonukleinsäure nicht in den Zellkern gelangen muss, um ihre Wirkung zu entfalten, dass sie nur vorübergehend aktiv und eine Integration in das Genom der Zielzelle höchst unwahrscheinlich ist; alles Argumente, die auch im Zusammenhang mit Impfungen eine Rolle spielen.

Zusammen mit dem US-amerikanischen Immunologen Drew Weissman gelang Katalin Karikó an der University of Pennsylvania schließlich ein Durchbruch. Sie fanden eine Möglichkeit, die körpereigene Abwehrreaktion gegen die synthetische fremde mRNA zu unterdrücken und die durch sie veranlasste Proteinproduktion in der Zelle zu verbessern. Denn normalerweise bewertet das menschliche Immunsystem von außen eingebrachte mRNA als Eindringling und löst eine Entzündungsreaktion aus. Gerade bei Protein-Ersatztherapien von bestimmten Erkrankungen sind solche „nicht-immunogenen“ mRNA-Moleküle unerlässlich. Während sich die großen Hoffnungen in Gentherapien mit DNA bis heute größtenteils nicht erfüllt haben, ist die kleine Schwester mRNA gerade dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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