Autobahngegner protestieren im Stadtteil Riederwald.

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Al-Wazir verteidigt den Riederwaldtunnel in Frankfurt


  • Pitt von Bebenburg

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  • Florian Leclerc

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Der hessische Verkehrsminister sieht eine Entlastung am Riederwald in Frankfurt durch den Autobahnausbau und weist den Vergleich mit dem Dannenröder Forst zurück. Kritiker widersprechen.

Die schwarz-grüne Landesregierung stellt sich hinter den Bau des Riederwaldtunnels. Proteste in der Dimension der Auseinandersetzung um den Dannenröder Forst in Mittelhessen erwartet sie nicht. Das geht aus der Antwort von Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf Fragen der FDP im hessischen Landtag hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Al-Wazir hatte sie mit Innenminister Peter Beuth (CDU) abgestimmt.

In seiner Auskunft verweist der Verkehrsminister auf die erhoffte Verkehrsberuhigung im Stadtteil Riederwald, durch dessen Straßen bisher der Verkehr von der Autobahn 66 aus Richtung Fulda fließt. Allein für die Straße Am Erlenbruch, „eine der staureichsten innerstädtischen Strecken“, würden ohne Tunnel für 2030 weiterhin 22 000 Fahrzeuge am Tag prognostiziert. „Mit dem Riederwaldtunnel wird diese Zahl – selbst beim Eintreten des prognostizierten Verkehrswachstums – auf 14 200 Fahrzeuge reduziert werden“, formuliert Al-Wazir.

Al-Wazir: Hanauer Landstraße profitiert

Damit ermögliche der Tunnel „eine spürbare Entlastung hinsichtlich Stau und Emissionen“. Ein weiterer Vorteil bestehe darin, „dass mit der Tunnellösung eine Halbierung des Schwerverkehrs vor Ort auf der Straße Am Erlenbruch verbunden sein“ werde.

Vorteile sieht Al-Wazir auch auf der Hanauer Landstraße. Hier werde das Verkehrsaufkommen von 52 700 Fahrzeugen (ohne Tunnel) auf 39 200 Fahrzeuge verringert. „Vor diesem Hintergrund ermöglicht die Tunnellösung die erwünschte Verlagerung des Verkehrs auf die A66 bei einer gleichzeitigen Entlastung des nachgeordneten Straßennetzes.“

Die FDP-Politiker Stefan Müller und Stefan Naas hatten in ihrer Anfrage gewarnt, dass der Anschluss der A66 „kein zweiter Dannenröder Forst“ werden dürfe. Sie bezogen sich dabei auf die Auseinandersetzungen um den Ausbau der A49 in Mittelhessen vor einem Jahr, bei dem die Polizei wochenlang mit vielen Beamtinnen und Beamten im Einsatz war, um die Waldbesetzung zu beenden und die Rodung zu ermöglichen. Dabei wurden sowohl Demonstrierende als auch Einsatzkräfte verletzt.

Minister Al-Wazir hält den Vergleich der Proteste im Riederwald mit den Ereignissen im Dannenröder Forst für übertrieben. Damals seien 85 Hektar Wald gerodet worden, jetzt gehe es lediglich um 2,3 Hektar, also die Größe von etwa zwei Fußballfeldern. „Die erheblich kleinere Fläche des betroffenen Waldgebietes zeigt bereits, dass die beiden Einsatzlagen in ihren Dimensionen nicht miteinander vergleichbar sind“, urteilt Al-Wazir.

Initiative widerspricht

Derzeit seien vier Baumhäuser in bis zu zwölf Meter Höhe sowie fünf weitere Konstruktionen der Waldbesetzer:innen bekannt. Bis zu 15 Menschen hätten sich dort aufgehalten, „die allesamt vermummt waren“.

Die Bauherrin, die Autobahn GmbH des Bundes, hatte die Rodungsarbeiten in das Winterhalbjahr 2022/23 verschoben, weil noch Genehmigungen ausstanden. Andere Bauarbeiten sind bereits weit gediehen, wie Al-Wazir berichtet. Demnach ist das Kreuzungsbauwerk im Autobahndreieck Erlenbruch, wo sich A66 und A661 kreuzen, fertiggestellt. Auch einige vorgezogene Abschnitte zum Bau der Tunneldecke seien abgeschlossen.

Zum Ausgleich für die Eingriffe wurden einige „landespflegerische Maßnahmen“ ausgeführt. So sei ein Laubwald in der Nähe des Schwanheimer Ufers gepflanzt worden. Im Fechenheimer Mainbogen sei ein „Altwasser“ angelegt worden. Nach Al-Wazirs Angaben sind bisher 133 Millionen Euro für den Riederwaldtunnel und die damit verbundenen Arbeiten ausgegeben worden. Für die verbleibenden Arbeiten werde nochmals mit 345 Millionen Euro an Ausgaben gerechnet.

Die Bürgerinitiative Riederwald, die den Waldbesetzerinnen und Waldbesetzern am Sonntag Weihnachtsgebäck und Kuchen mitgebracht hat, wies Al-Wazirs Argumentation zurück. Die Verkehrsmenge auf der Straße Am Erlenbruch verringere sich durch den Tunnel nur um ein Drittel. Es könne noch immer Staus in der Rushhour geben, sagte der Sprecher der Initiative, Rainer Frey. Staus in der Hauptverkehrszeit seien laut Verkehrsprognose zum Riederwaldtunnel auch auf der A661 möglich. „Wer wie der Verkehrsminister die Verkehrswende will, muss den Autobahnausbau stoppen“, sagte er. Noch gebe es keine Betriebsgenehmigung für den Lückenschluss zwischen A661 und A66.

Frey forderte Al-Wazir dazu auf, sich für günstige Preise im Nahverkehr zwischen Frankfurt und Hanau einzusetzen. Um Pendelverkehr zu verlagern, sollte die A66 zwischen Frankfurt und Maintal auf zwei Spuren zurückgebaut werden.

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